11.05.2026

Presseüberblick: 11. Mai 2026

Sicherheitseskalation im Osten, Opposition mobilisiert gegen Verfassungsputsch, China weitet Bergbau-Präsenz aus

OSTEN/KINSHASA – Der 11. Mai 2026 markiert einen Wendepunkt: Im Osten fordert eine neue Welle von Angriffen Dutzende Todesopfer und treibt Flüchtlingswellen an. In der Hauptstadt einigen sich Opposition und Zivilgesellschaft gegen Tshisekedis Verfassungspläne. Im Bergbau eskaliert die Unsicherheit für ausländische Unternehmen, während China sein Kupfer-Imperium ausbaut. Ein Tag zwischen Krieg, Verfassungskrise und geopolitischem Schachspiel.

Sicherheitseskalation: MONUSCO verurteilt „Welle tödlicher Angriffe“

MONUSCO gab am 9. Mai eine Erklärung ab: In den vergangenen Tagen wurden in Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu Dutzende Zivilisten getötet.

Betroffene Gebiete:

  • Ituri: Irumu, Djugu, Mambasa
  • Nord-Kivu: Nähe Oicha, Mushaki (Luftangriff 8. Mai)
  • Süd-Kivu: Häuptlingstum Bafuliru

Die UN-Mission äußerte tiefe Besorgnis über Luftangriffe am 8. Mai in Kilolirwe und Mushaki, die zivile Opfer forderten. Sie forderte alle Konfliktparteien auf, das humanitäre Völkerrecht einzuhalten und zivile Ziele zu vermeiden.

Kernbotschaft von MONUSCO: Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Straflosigkeit darf nicht weitergehen.

Humanitäre Katastrophe: Flüchtlingswellen in Masisi + Rotes Kreuz ruft SOS

Die Sicherheitslage in Masisi (Nord-Kivu) ist extrem angespannt.

Luftangriffe auf Mushaki (8. Mai)

Zwei aufeinanderfolgende Luftangriffe um 16:20 Uhr in der Stadt Mushaki (40 km nordwestlich von Goma). Der öffentliche Markt – freitags besonders belebt – wurde abrupt geschlossen. Zivilisten wurden verletzt. Die M23 beschuldigte die FARDC des Drohnenangriffs. Kinshasa hat sich bisher nicht geäußert. Die genaue Opferzahl bleibt ungeklärt.

Kämpfe zwischen lokalen Milizen in Ufamandu

Parallel kam es am 8.–9. Mai zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen zwei bewaffneten Gruppen:

  • Maachanos Mai-Mai-Lamuka-Miliz vs. CLD-Gruppe (unter Obedi Ngabo)
  • Kampf-Orte: Kaleta, Bunyabaiti, Kirambo
  • Bilanz: 1 schwer verletzte Frau, 4+ weitere Verletzte, Plünderungen

Flüchtlingswellen

Hunderte Familien flohen übers Wochenende:

  • Ufamandu-Bewohner zogen nach Biolo, Mbeshe-Mbeshe, Nairobi (benachbartes Walikale)
  • Mushaki-Matanda-Bewohner suchten Schutz in Sake

Die Zivilgesellschaft warnt: Ehemalige Militärgelände sind vermint – Blindgänger-Gefahr.

Rotes Kreuz: Die humanitäre Lage ist „kritisch“

Am Welttag des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds (8. Mai) appellierte Grégoire Mateso, Präsident des nationalen Roten Kreuzes, an die Welt:

„Die humanitäre Lage in der DR Kongo ist kritisch. Das Rote Kreuz kann sie, selbst mit seinen Partnern, nicht allein bewältigen. Wir fordern mehr Mittel.“

Das Problem: Das Rote-Kreuz-Emblem wird häufig missbraucht, was humanitäre Helfer zusätzlichen Risiken aussetzt. Mateso forderte Respekt für das Symbol und mehr internationale Solidarität.

Botschaft: In fast jedem Dorf der DR Kongo gibt es mindestens einen Rotkreuz-Freiwilligen. Sie retten Leben unter unmöglichen Bedingungen.

Bergbau unter Schuss: Chinesische Unternehmen in Lualaba 3 × überfallen

Lualaba ist nicht länger sicher für ausländische Minenarbeiter.

Auf der Straße zwischen Kisanfu und Kisankala ereigneten sich in zwei Monaten mindestens drei bewaffnete Anschläge auf chinesische Minenbetreiber. Koordinator Mexa Mukanya (NGO Eben Ezer) berichtete Radio Okapi:

Die Eskalation:

Angriff 1 (März): Zwei Schüsse in die Luft. Chinesen flohen mit Fahrern.

Angriff 2 (März): Entführung. Beute: 65 Millionen kongolesische Francs + 3.000 USD + Ausrüstung und Telefone.

Angriff 3 (letzte Woche): Ein chinesischer Staatsbürger erschossen. Sein kongolesischer Fahrer verletzt.

Das Kernproblem: Unzureichende Polizei-Ausstattung

„Wir haben Polizisten vor Ort, aber sie sind nicht ausreichend ausgerüstet. Einsatzkräfte zu entsenden, ist schwierig. Die Behörden müssen der Polizei dringend Ressourcen zur Verfügung stellen“, sagte Mukanya.

Forderung: Provinz- und Bundesbehörden sollen die Sicherheit auf den Minen-Verbindungsstraßen verstärken. Bislang keine offizielle Antwort von Lualaba.

Das Signal: Bergbau unter Feuer. Chinas Präsenz in der DR Kongo ist nicht immun.

M23-Rückzug beginnt: Uvira unter US-Druck

Die AFC/M23 begann am 9./10. Mai einen schrittweisen Rückzug aus mehreren Ortschaften in Süd-Kivu.

Rückzug aus der Ruzizi-Ebene

Verlassene Orte: Kabunambo, Sange, Nyakabere 1&2, Mutarule, Luberizi, Bwegera. Die M23 zieht sich nach Norden zurück – in Richtung Luvungi und Kamanyola. Administrator Jean de Dieu Mabiswa Selemani bestätigt: „Sie haben Kabunambo, Sange, Nyakabere 1 und 2, Mutarule, Luberizi und Bwegera verlassen. In Luvungi sind sie aber noch immer präsent.“

FARDC-Reaktion: Vormarsch in verlassene Gebiete

Sprecher Reagan Mbuyi (FARDC Süd-Kivu) teilte mit: Kongolesische Truppen rücken in die aufgegebenen Stellungen ein. Aber: „Einige M23-Kämpfer halten noch immer die Frontlinien. Heute Morgen blockierte die M23 in Luvungi sogar die Straße und hinderte Bewohner daran, ihre Häuser zu verlassen.“

Die wahre Ursache: US-Druck

Uvira-Administrator führt den Rückzug auf diplomatischen Druck zurück. Das ist korrekt: Washington verdammte M23s Dezember-Invasion von Uvira als Bruch des Friedensabkommens und forderte einen Rückzug von mindestens 75 Kilometern. Die USA verhängten Sanktionen gegen die ruandische Armee.

M23s Spin: Sie nennen es „Neupositionierung“ aus „gutem Willen“ – nicht Rückzug unter Druck.

Die Realität: Militärischer und diplomatischer Druck zahlte sich aus. Uvira ist zu teuer geworden.

Justiz-Theater: Hochverrats-Prozess gegen General Yav ohne Beweise

Vor dem Obersten Militärgerichtshof in Kinshasa forderte der Generalrechnungsprüfer der FARDC lebenslange Haft gegen Generalleutnant Philémon Yav Irung – wegen angeblicher Kollaboration mit Ruanda.

Das „Beweis“-Problem

Das Zentrum der Anklage: eine vier Jahre alte SMS, angeblich an einen Vertrauten des ruandischen Generals James Kabarebe. Der Zeuge, General Peter Cirimwami, der behauptete, die Nachricht auf Yavs Handy gesehen zu haben? Seit über einem Jahr tot.

Selbst die Geheimdienste konnten die SMS nicht auf Yavs Handy finden.

Die Verteidigung zerlegt die Anklage

Rechtsanwalt Carlos Ngwapitshi: „Welchen Wert hat ein Strafverfahren ohne Beweise?“

Rechtsanwalt Parfait Kanyanga: Die Anklage basiert auf „Verschwörungstheorie, nicht konkreten Beweisen.“

Kernfrage: Generalleutnant Yav war Leiter der Operationen im Osten. Unter seinem Kommando fiel keine einzige Ortschaft in den Kivus an die M23. Das widerlegt jeden Vorwurf der Kollaboration mit dem Feind.

Verdacht der Verteidigung: Yav ist Opfer einer Verschwörung, angezettelt von Offizieren nach seiner Ernennung zum Operationen-Chef.

Das Urteil: Freispruch mangels Beweise – oder ein justizpolitisches Schauspiel, um Druck auszuüben?

Opposition einig: Tshisekedi-Verfassungspläne sind „Kriegserklärung“

Eine seltene Oppositionseinigkeit: Ensemble pour la République, LAMUKA und ENVOL lehnen Tshisekedis Pläne ab.

Olivier Kamitatu (Ensemble): „2028 beginnt eine neue Ära“

Stabschef und Sprecher von Moïse Katumbi erklärten am 8. Mai:

„Wir werden weder eine Verschiebung akzeptieren noch eine Änderung dulden. Herr Félix Tshisekedi muss verstehen, dass seine Amtszeit endet. 2028 beginnt eine neue Ära.“

Kamitatus-Kernargument: Nicht Artikel 220 (der Amtszeitbeschränkungen festlegt) verhindert Entwicklung oder Frieden. Schuld sind fehlende Befehlsketten und Unterschlagung von Militär-Budgets.

Ein Referendum zur Verfassungsänderung ist kein Ausdruck von Volkssouveränität – es ist ein Versuch, den bereits geäußerten Willen des Volkes zu umgehen.

Ensemble ruft zu einer „Republikanischen Widerstandsfront“ auf und appelliert an Armee und internationale Gemeinschaft: Werdet nicht zu Instrumenten von Repression und stillen Komplizen.

Martin Fayulu (LAMUKA): „Wir werden das Volk mobilisieren“

Der Oppositionskoordinator erinnerte am 8. Mai an 2015:

„Ich habe Kabila gesagt, und Félix Tshisekedi stand ihm zur Seite: Wir haben eine rote Linie gezogen – eine dritte Amtszeit. Kabila wird keine bekommen. Tshisekedi auch nicht. Denn er ist nicht stärker als das kongolesische Volk. Nach Gott kommt das Volk.“

Fayulus Ansage: „Wenn ich sage, wir werden das Volk mobilisieren, meine ich, dass ich mich vor das kongolesische Volk stellen werde, um Herrn Félix Tshisekedi zu blockieren, sollte er eine dritte Amtszeit anstreben.“

Delly Sessanga (ENVOL): Keine weiteren „institutionellen Spannungen“

Präsident der ENVOL-Partei sprach sich gegen jeden Versuch zur Amtszeitverlängerung aus: Die DR Kongo könne sich keinen weiteren Zyklus institutioneller Spannungen leisten.

Die USA fordern Deeskalation – aber selektiv

Das US-Außenministerium verurteilte den Drohnenangriff auf Mushaki und die Massaker in Uvira. Aber Washington nannte keine Namen, sprach keine Schuldzuweisungen aus. Es forderte „maximale Zurückhaltung“ von allen Parteien.

Ruandas Außenminister Olivier Nduhungirehe reagierte säuerlich: „Es gab vereinzelte, zaghafte Verstöße gegen den Waffenstillstand. Das Problem ist: Es passiert regelmäßig.“

Das ist eine Anklage: Die USA sind asymmetrisch. Tshisekedi-Regime profitiert von US-Toleranz (Mineralien-Abkommen). M23 zahlt den Preis.

Bergbau-Großprojekt: China stellt 200 000–500 000 Tonnen Kupfer/Jahr in Aussicht

Das chinesische Unternehmen China Railway Resources Universal Limited präsentierte am 7. Mai ein Riesenkupferbergbauprojekt in Groß-Kasai – weit entfernt von bestehenden Minen in Katanga.

Die Dimensionen:

Jahresproduktion: 200 000–500 000 Tonnen Kupfer = fast 15% der Kupferproduktion des Landes im Vorjahr.

Partner: Joint Venture mit Miba (kongolesisches Diamantenunternehmen).

Infrastruktur: Wasserkraft- und Photovoltaikanlage geplant – die bewusste DR-Kongo-Strategie: Bergbau-Lizenzen im Austausch für Infrastruktur-Entwicklung.

Geopolitisches Schachspiel

Die DR Kongo ist nach Chile der zweitgrößte Kupferproduzent der Welt. China gehören bereits 5 der größten Minen des Landes. Die USA verhandeln intensiv über bevorzugten Zugang (Mineralien-Abkommen).

Wie OFREMI (französisches Observatorium für Mineralressourcen) feststellte: „Die DR Kongo – strategisch wichtig für die globale Energiewende – zeichnet die Weltkarte des Kupfers neu.“

Das Spiel: Kupfer ist kritisch für Batterien, Solarpanels, Windkraftanlagen. Wer Kupfer kontrolliert, kontrolliert die Energiewende. China baut vor.


(Quellen: Radio Okapi, RFI, MONUSCO, IUCN, Eben Ezer NGO)