07.05.2026

Cholera-Kontrolle in Kongo-Zentral, Hebammen-Notstand in Kasai und Verfassungskrise eskaliert

MBANZA-NGUNGU/KINSHASA – Die DR Kongo befindet sich in einer dreifachen Krise. In Kongo-Zentral meldet die Gesundheitszone Boko Kivulu die Cholera-Epidemie unter Kontrolle: 34 Fälle, 27 Genesungen, 6 Todesfälle. Parallel zeigt ein Bericht der Hebammenbewegung SCOSAF, dass in Kasaï-Central 80 % der 333 Hebammen erwerbslos sind – ein System am Rand des Kollaps. Und während Präsident Tshisekedi am 6. Mai eine dritte Amtszeit offen diskutiert, mobilisieren sich Opposition, Zivilgesellschaft und evangelikale Kirchen gegen einen verfassungsrechtlichen Machtwechsel. Zwischen Sicherheitseskalation, humanitärer Notlage und politischem Schachspiel zeigt sich die DR Kongo zerrissen.


Cholera-Kontrolle in Mbanza-Ngungu: Zahlen und Hoffnung

34 registrierte Fälle seit Beginn der Epidemie. Dr. Cosinus Lema, medizinischer Direktor der Gesundheitszone Boko Kivulu, berichtete am 7. Mai, dass die Lage nun besser im Griff ist. Die Bilanz: 27 Genesungen, 1 Patient in stationärer Behandlung, 6 Todesfälle. Ein Sterblichkeitsraten-Rückgang, der auf verstärkte medizinische Intervention hindeutet.

Von den 34 Fällen wurde nur die Hälfte bestätigt: 14 Fälle positiv auf Cholera getestet, 20 weitere mit Symptomen, aber negativ. Eine typische Laborsituation in der DR Kongo – Verdachtsfälle prägen die Epidemiologie mehr als Bestätigungen. Die Gesundheitszone hat Zentren in betroffenen Gebieten mit Material versorgt. Bessere Patientenversorgung, bessere Chancen auf Genesung.


Kasaï-Central: Hebammen-Kollaps und das Phantom der kostenlosen Mutterschaftsvorsorge

266 von 333 Hebammen sind erwerbslos. Das ist nicht einfach eine Fachkraftlücke – das ist ein Systemversagen. Der kongolesische Hebammenverband SCOSAF veröffentlichte die Zahlen am Internationalen Hebammentag (5. Mai). Verbandspräsident Laurent Ngalamulume: „Aufgrund fehlender Einsätze und Gehälter werden Geburten oft unqualifiziertem Personal überlassen, was die Gesundheit der Mütter gefährdet.“

Die Details offenbaren ein zerbrochenes System: In fast 26 Gesundheitszonen gibt es Geburtsstationen ohne zugeordnete Hebammen. Von den wenigen aktiven Profis arbeiten 70 % unbezahlt. Nur 30 % erhalten ein Gehalt; Gefahrenzulagen sind Luxus. Die Konsequenz: Krankenschwestern und unqualifizierte Geburtshelferinnen übernehmen kritische Entbindungen.

Das Konzept der kostenlosen Mutterschaftsvorsorge wird zur Illusion, warnt SCOSAF. Die Regierung verkündet kostenlose Vorsorge, während die einzigen Fachkräfte, die diese Vorsorge liefern könnten, hungern oder in andere Sektoren migrieren. SCOSAF fordert Integration in die Bezahlung und Wiederherstellung von Gehaltsansprüchen.


Lubero: Generalstreik nach Gewaltwelle (6 Tote in 4 Tagen)

Die ländliche Gemeinde Lubero-Centre in Nord-Kivu hielt am 6. Mai ihren dritten Generalstreik ab – gegen Unsicherheit, gegen Mord. Innerhalb von vier Tagen wurden mindestens 6 Menschen getötet, darunter eine 23-jährige Frau durch einen FARDC-Soldaten (4. Mai, Biamba), ein Mädchen und eine Frau durch mutmaßliche Wazalendo-Kämpfer (3.–4. Mai) und ein Motorradfahrer mit Beifahrer von Milizangehörigen (3. Mai, Kimbulu).

Geschäfte, Schulen und Märkte schlossen. Die Bevölkerung schrie: „Genug.“ Oberst Alain Kiwewa, Verwaltungsleiter, versuchte zu beruhigen: Festnahmen fanden statt. Zum Zeitpunkt seiner Aussage war eine mobile Gerichtsverhandlung in Kimbulu im Gange. Justiz im Schnelltempo – notwendig, um das Vertrauen zu retten.


Nordosten: ADF-Gräuel und die Grenze zwischen Ituri und Nord-Kivu

Mindestens 36 Menschen seit dem 5. Mai. Das ist die Gesamtbilanz von zwei separaten ADF-Angriffen, die zeigen, wie systematisch die Terrorgruppe Zonen terrorisiert.

Erste Welle (6. Mai, Nacht): Die ADF griffen mehrere Dörfer an der Grenze Ituri–Nord-Kivu an. 24 Menschen getötet in Manzungu, Musamba, Wasafi und Mangambo – Bauern, Zivilisten, ihre Häuser, ihre Felder. Sicherheitskreise gaben mindestens 21 Tote an; lokale Quellen sprachen von 24. Mehrere Vermisste, hauptsächlich aus den Feldgebieten.

Zweite Welle (Donnerstag, Biakato, Ituri): Mindestens 15 Menschen getötet in Biakato (Gebiet Mambasa). Die ADF überraschte Bewohner in ihren Häusern am Mittag. Ein Vertreter der Zivilgesellschaft: „Sie begannen, mit Kugeln und Macheten um sich zu schießen.“ 15 Leichen geborgen – 3 Frauen, 11 Männer, 1 Kind. Ein achtjähriges Kind war unter ihnen.

Die beiden Dörfer liegen etwa 70 Kilometer auseinander in dicht bewaldeten Gebieten – ADF-Kernzone. Seit 2021 kämpfen die ugandische UPDF und die kongolesische FARDC in der Operation „Shujaa“ gegen die Gruppe. Die Gewalt ist nicht beendet; sie eskaliert.

100.000+ Vertriebene in drei Monaten: Laut OCHA flohen zwischen Februar und Ende April 2026 über 100.000 Menschen aus Ituri – ein Massenexodus, der zeigt, dass Luftangriffe und Bodeneinsätze nicht genügen.


FRIVAO: 160 Millionen Dollar verschwunden – Opfer von Kisangani warten auf Entschädigung

Von 195 Millionen US-Dollar erreichten nur 28 Millionen die Opfer. Das ist nicht Schlamperei; das ist systematischer Betrug. Justizminister Guillaume Ngefa enthüllte die Zahlen am 4. Mai vor dem Senat. Der Entschädigungsfonds für Opfer der ugandischen Aggression (FRIVAO) ist durchsiebt.

Eine der schlimmsten Unregelmäßigkeiten: Die Zahl der Begünstigten sprang von 3000 auf über 14 000 – ohne Begründung, ohne Audit, ohne Kontrolle. Wer verdient die Entschädigung? Wer fälscht die Liste? Niemand weiß es.

Die Regierung hat reagiert: Suspendierung des FRIVAO-Vorsitzenden, Reorganisation der Leitung, unabhängiger Audit in Kürze. Die Zahlungen sollen in zwei Phasen wieder aufgenommen werden – erst kollektiv, dann individuell, wenn die Datenbank bereinigt ist. Bis Uganda die volle Entschädigung zahlt, will die Regierung aus dem Bergbausektor zusätzliche Mittel mobilisieren.

Die Opfer von Kisangani – Überlebende des Krieges – warten weiter.


Verfassungskrise: Tshisekedi signalisiert dritte Amtszeit, Opposition mobilisiert

Am 6. Mai gab Präsident Félix Tshisekedi auf einer Pressekonferenz sein Signal: Er sei bereit, eine weitere Amtszeit anzunehmen, falls „das Volk dies verlangt“. Ein weiterer Satz verstärkte das Signal: Die Sicherheitslage könne den Wahlkalender 2028 beeinflussen. Nicht verbieten, sondern verschieben – ein anderer Weg, eine dritte Amtszeit zu gewinnen.

Die Opposition antwortet. Abgeordneter Delly Sesanga: „Die Masken sind gefallen.“ Er sieht einen bewussten Verstoß gegen die Verfassung – einen Versuch, Artikel 220 zu umgehen, der die Amtszeitendauer schützt.

Claudel André Lubaya, anderer Oppositionsführer, beschwört Artikel 64 (Verfassungsachtung) und Artikel 220 (Unverletzlichkeit). Er warnt vor einer „Abweichung, die demokratische Errungenschaften und Institutionen schwächen könnte.“


Hinter den Kulissen: Fünf Schritte zur Verfassungsrevision

Schritt 1 (11. Oktober 2024): Generalsekretär der UDPS Augustin Kabuya ruft alle Parteistrukturen auf, Basismitglieder zur Unterstützung der Verfassungsrevision zu mobilisieren. Das Narrativ: Dies sei das Vermächtnis von Étienne Tshisekedi (Vater des Präsidenten), der das Referendum 2006 boykottiert hatte. Die aktuelle Verfassung sei im Ausland entworfen und passe nicht mehr.

Schritt 2 (November 2024): Der Präsident greift nicht direkt Artikel 220 an (zu riskant), sondern Artikel 217 – einen Artikel über Souveränitätsverzicht. Ein Vorwand, sagen Opposition und Zivilgesellschaft. Dieser Artikel existiert in anderen afrikanischen Verfassungen ohne Probleme.

Schritt 3 (20. April 2026): André Mbata, ständiger Sekretär der Heiligen Union (Regierungskoalition), fordert alle auf – Parteien, NGOs, Religionsgemeinschaften, Gewerkschaften –, Vorschläge bis 20. Mai einzureichen. Ein Fachausschuss wird sie sichten und dem Präsidenten berichten. Mbata leitet auch den politischen Ausschuss der Nationalversammlung – ein Interessenskonflikt, den die Opposition anprangert.

Schritt 4 (April 2026): Abgeordneter Gaspard Ngondankoy bringt einen Gesetzentwurf ein, der Referenden ermöglicht. Die Opposition sieht darin einen Versuch, Artikel 220 durch das Volk zu umgehen. Ngondankoy antwortet: Die Verfassung könne nicht ewig binden; jede Generation könne überprüfen, was die vorherige verankert hat.

Schritt 5 (laufend): Pastor Ejiba Yamapia der Erweckungskirche im Kongo organisiert „Besinnung“ für christliche Führungskräfte. Das Ziel: eine zivilgesellschaftliche Koalition zur Unterstützung der Revision. Die katholische CENCO warnt parallel vor Artikel-220-Änderungen.


Die Zivilgesellschaft hält den Atem

Die neue kongolesische Zivilgesellschaft ruft zu „friedlicher und demokratischer Debatte“ auf, warnt aber gleichzeitig vor Eskalation. Koordinator Jonas Tshiombela: Diese Debatten „werden mit Sicherheit Debatten, politische Spannungen und Strategien innerhalb der Parteien anheizen.“ Er fordert Priorität für Dialog, um Spannungen nicht zu verschärfen.

Die Zivilgesellschaft nimmt auch zur Kenntnis, dass Tshisekedi Strom, Wasser und öffentliche Beleuchtung erwähnt hat. Ja, diese Probleme sind zentral. Aber nicht als Tauschhandel für verfassungsrechtliche Änderungen, die die Demokratie untergraben könnten.


(Quelle: Radio Okapi, RFI)