1930 und 1950

Der erste Beitrag in diesem Sinne geht auf eine ausländische Gruppe, nämlich die in Léopoldville ansässigen Westafrikaner – auch „Haussa“, „Coastman“ oder im allgemeinen „Senegalese“ genannt -, zurück (I. Ndaywel è Nziem 1998:482), die bei ihren Feiern Musikinstrumente spielten, die den Kongolesen nicht bekannt waren – Mundharmonika, Akkordeon und Gitarre. Sie tanzten nach Highlife-Rhythmen – unter der Bewunderung der kongolesischen Bewohner und vor allem der mondänen Jugendlichen von Léopoldville, die daraus neue Tanzschritte entwickelt hatten.

Das erste in Léopoldville durch ein aus Afrikanern bestehendes Orchester gegebene Konzert fand auf Initiative von „Coastmen“ bzw. Westafrikanern statt, die die aus ihrer Heimat mitgebrachte musikalische Erfahrung zur Schau stellten. Ihr Orchester hieß Excelsior und genoss aufgrund der benutzten Instrumente ein großes Prestige. Der Krieg ermöglichte den Einwohnern Léopoldvilles, auch andere Musikgruppen zu sehen. Diese bestanden aus auf der Durchreise in Léopoldville befindlichen ausländischen Soldaten. Die Kongolesen ließen sich von ihnen anregen und gründeten zwischen 1940 und 1950 die ersten Musikformationen, die vorwiegend Vokalgruppen waren. Unter diesen kongolesischen Musikformationen zählten folgende zu den berühmtesten: „l’Harmonie kinoise“, „l’Odeon kinois“, „l’Amerique“, „la Martinique“.

Tabu Ley & L'Orchestre Afrisa International Oya Sela
Tabu Ley & L’Orchestre Afrisa International Oya Sela

Der Bezug auf Frankreich und seine Kultur war offensichtlich. „Martinique“ stand, scheint es, im Kontext des Besuches in Brazzaville eines aus Martiniquanern bestehenden Kontingents der französischen Armee, das Musik spielte, um seine Freizeit auszufüllen. „Amerika“ stand auch in Relation mit einer gleichartigen Erinnerung an das in Léopoldville stationierte amerikanische Kontingent. Diese Musikgruppen benutzten Tam-Tam und traditionelle Musikinstrumente und mündeten in die Gründung der Gruppen „Victoria von Brazza“ (Paul Kamba, 1942) und Viktoria-Kin (Antoine Wendo, 1948).

Das erste Aufnahmestudio, Olympia, wurde 1939 in Léopoldville gegründet. Es folgten Ngoma (1941), Congolia CEFA (1949) – später Ecodis (1955), Opika und Loningisa (1950), Esengo (1951) Lomeka oder Kongo Bina (1953). Ausgestattet mit modernen Musikinstrumenten gehörten einige dieser Tonstudios griechischen Kaufleuten, die vorwiegend merkantile Ziele verfolgten: den Verkauf von Plattenspielern.

Die Schallplatten wurden durch einen Sänger gemacht, der entweder Gitarre spielte oder von einem Gitarristen begleitet wurde. Oft gab es auch Schlagzeugspieler und manchmal einen Akkordeonspieler oder einen Klarinettisten. Selten aber waren mehr als vier Musiker in einer Gruppe. Die Gitarre war unentbehrlich und spielte die Rolle, die die Sanza oder Likembe (Daumenklavier) in der traditionellen kongolesischen Musik innehatte.

Das von Thomas A. Edison (1847–1937) in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts erfundene Grammophon hatte als Vehikel für die blitzschnelle Verbreitung dieser Art des musikalischen Ausdrucks gedient. Diese Erfindung erwies sich als ein gewaltiger Fortschritt und eröffnete für die Gesellschaften, wie die des Belgisch-Kongo, die auf den oralen Traditionen basierten, neue Aussichten. Man liegt nicht fehl in der Annahme, dass das Grammophon damals die heutige Rolle der mobilen Diskothek spielte. Es wurde von Dorf zu Dorf transportiert, um die Freizeit der Bevölkerung zu gestalten.

1942 wurde das „Radio Congo Belge“ in Betrieb genommen. Es berieselte die zentralafrikanische Region durch die Stärke seines Senders und übertrug die musikalischen Aufführungen der lokalen Musiker life. Dadurch fand die belgisch-kongolesische Schallplattenproduktion ein Expansionsmittel, das zur Festigung ihres Rufes beitrug.

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