Stand: 1. Juli 2026
Die Demokratische Republik Kongo steht im Sommer 2026 unter dem Druck dreier paralleler Krisen: dem anhaltenden bewaffneten Konflikt im Osten, der sich ausweitenden Ebola-Epidemie und dem angespannten politischen Umfeld um Präsident Félix Tshisekedi. Hinzu kommt der strategisch zentrale Rohstoffsektor. Diese Seite fasst die aktuelle Lage thematisch zusammen und verweist auf die tagesaktuelle Berichterstattung. Sie wird regelmäßig aktualisiert.
Sicherheit und Konflikt im Osten
Der Osten der DR Kongo bleibt Schauplatz des schwersten bewaffneten Konflikts der Region seit den Kriegen der 1990er und 2000er Jahre. Die Rebellengruppe M23, politisch Teil der Allianz Congo River (AFC), kontrolliert nach der Einnahme von Goma (Hauptstadt Nord-Kivu, Januar 2025) und Bukavu (Hauptstadt Süd-Kivu, Februar 2025) das größte Gebiet, das eine Rebellengruppe seit jenen Kriegen je gehalten hat. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die ruandische Armee mit bis zu 4.000 Soldaten eine entscheidende Rolle in der Offensive spielt und faktisch die Kontrolle über die M23-Operationen ausübt. Ruanda bestreitet jede Unterstützung.
Die Lage blieb 2026 volatil. Seit Januar 2026 steht die Stadt Uvira wieder unter Kontrolle der kongolesischen Streitkräfte, im Februar 2026 griff die M23 den Flughafen von Kisangani in der Provinz Tshopo mit Drohnen an. Die M23 hat auf Provinzebene Parallelregierungen eingerichtet, und der Besatzungszustand verstetigt sich; eine Kontrolle der besetzten Gebiete durch den kongolesischen Staat besteht derzeit nicht. Zusätzlich verschärfen lokale Wazalendo-Milizen die Unsicherheit.
Die humanitäre Dimension ist gravierend: Die Zahl der Binnenvertriebenen im Land wird auf 6,9 Millionen geschätzt (Stand: Mai 2026, UN), davon 2,4 Millionen allein in Süd-Kivu; 26,6 Millionen Kongolesen leiden unter Ernährungsunsicherheit, 4 Millionen sind akut unterernährt. Ausführliche Hintergründe zu den Akteuren und zum Konfliktverlauf finden sich in den verlinkten Artikeln am Ende dieser Seite.
Gesundheit: Ebola-Epidemie 2026
Die DR Kongo bekämpft einen Ausbruch des Ebola-Bundibugyo-Virus. Nach dem offiziellen Lagebericht vom 25. Juni 2026 zählte die Epidemie 1.155 bestätigte Fälle und 304 Todesfälle; bis zum 30. Juni stiegen die gemeldeten Zahlen nach Regierungsangaben auf 1.307 Infektionen und 377 Todesfälle. Die laufend aktualisierten Hintergründe und Fallzahlen stehen im Ebola-Dossier.
Die Schwäche der lokalen Gesundheitsinfrastruktur bleibt ein Kernproblem. In der Gesundheitszone Nia-Nia werden Proben von Verdachtsfällen mangels Fahrzeug mit öffentlichen Verkehrsmitteln transportiert. Die WHO hatte Ende Mai erstmals offizielle Empfehlungen zu experimentellen Behandlungen und Impfstoffen gegen Ebola Bundibugyo veröffentlicht. Gesundheitsminister Samuel Roger Kamba koordiniert die Bekämpfungsmaßnahmen vor Ort.
Politik und Diplomatie
Der diplomatische Prozess läuft 2026 auf zwei parallelen Schienen – und stockt auf beiden. Das am 27. Juni 2025 in Washington unterzeichnete Friedensabkommen zwischen der DR Kongo und Ruanda wurde am 4. Dezember 2025 bei einem Treffen von Präsident Félix Tshisekedi und Präsident Paul Kagame politisch bekräftigt. Es verpflichtet beide Staaten unter anderem, die territoriale Integrität des jeweils anderen zu achten und die Unterstützung bewaffneter Gruppen zu beenden. Die eigentliche Frage nach dem Umgang mit der M23 wurde jedoch auf einen zweiten Verhandlungsstrang unter Vermittlung Katars verlagert.
Die Umsetzung bleibt brüchig. Ruandische Truppen hatten sich nicht zurückgezogen, die FDLR war nicht aufgelöst, und die Gespräche zwischen der M23 und der kongolesischen Regierung führten zu keinem Friedensschluss. Eine Frist Ende August 2025 für ein finales Abkommen mit der M23 wurde verpasst. Auch spätere Vermittlungsversuche änderten bislang nichts daran, dass die M23 in Nord- und Süd-Kivu weiter erheblichen Einfluss ausübt.
Im Kern steht ein politischer Grundkonflikt: Die AFC-M23 verlangt ein Machtteilungsabkommen über die politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Verwaltung von Nord- und Süd-Kivu, das sie selbst als „föderalistisches Projekt“ bezeichnet. Kinshasa lehnt dies als faktische Annexion des Ostkongos ab und hält an der UN-Resolution 2773 fest, die den Abzug der ruandischen Truppen, das Ende der Unterstützung für die AFC-M23 und den Rückzug der Rebellen aus den besetzten Gebieten fordert. Präsident Félix Tshisekedi steht damit innen- wie außenpolitisch unter Druck, ohne dass sich das Kräfteverhältnis vor Ort zu seinen Gunsten verschoben hätte.
Wirtschaft und Bergbau
Der Rohstoffsektor bleibt das wirtschaftliche Rückgrat der DR Kongo – und war 2026 Schauplatz zweier struktureller Verschiebungen: des Einstiegs in die Lithiumförderung und einer neuen staatlichen Kontrolle über den Kobaltexport.
Im Juni 2026 nahm das Projekt in Manono (Provinz Tanganyika) die erste industrielle Lithiumproduktion der Landesgeschichte auf; die ersten Tonnen wurden im Juni gefördert, die Ausfuhr begann unmittelbar danach. Betreiber ist ein Joint Venture unter Mehrheitsführung des chinesischen Konzerns Zijin Mining mit dem Staatsunternehmen Cominière; Zijin hält an Manono Lithium SAS 61 Prozent, der kongolesische Staatskonzern Cominière 39 Prozent. Die erste Ausbaustufe verarbeitet rund 500.000 Tonnen Spodumen-Konzentrat zu etwa 95.170 Tonnen Lithiumsulfat pro Jahr. Damit zählt die Anlage zu den größten Hartgestein-Lithiumprojekten weltweit. Das rund 1 Milliarde US-Dollar teure Vorhaben ist juristisch umstritten: Die australische AVZ Minerals führt ein Schiedsverfahren gegen die kongolesische Regierung, nachdem ihr die Lizenz entzogen und teilweise an Zijin vergeben wurde.
Bei Kobalt bleibt die DR Kongo der weltgrößte Produzent. Laut USGS lag die Förderung 2025 bei 230.000 Tonnen – rund 74 Prozent der Weltproduktion. Nach einem monatelangen Exportstopp ersetzte Kinshasa diesen: Das 2025 verhängte Exportverbot wurde durch strikte Jahresquoten von 96.600 Tonnen für 2026 und 2027 abgelöst. Ziel ist es, angesichts des Preisverfalls das globale Angebot zu steuern, die Preise zu stützen und die Staatseinnahmen zu erhöhen. Die Wirkung ist drastisch: Der weltgrößte Produzent CMOC hielt 2025 mit einem Rekord von 117.549 Tonnen an hoher Förderung fest, darf für 2026 aber nur rund 31.200 Tonnen exportieren.
Als zweitgrößter Kupferproduzent der Welt profitiert das Land von steigender Nachfrage. Sie wird von Elektrifizierung, Elektrofahrzeugen und dem Ausbau von KI-Rechenzentren getrieben, während das Angebot durch sinkende Erzgehalte enger wird. Mehrere Produzenten verlagern ihren Schwerpunkt auf Kupfer, um die Kobalt-Exportgrenzen zu umgehen: Glencore steigerte seine Kupferproduktion im ersten Quartal 2026 um 19 Prozent, während die Kobaltförderung um 39 Prozent zurückging.
Die Rohstoffpolitik ist dabei zunehmend geopolitisch aufgeladen: China dominiert Förderung wie Verarbeitung, während die USA über ein Ende 2025 geschlossenes Rohstoffabkommen und den Lobito-Korridor – die Bahnverbindung vom angolanischen Hafen Lobito nach Kolwezi – eigenen Zugang zu kongolesischem Kupfer und Kobalt suchen.
Weiterführende Seiten
- Themen-Dossier: Ebola-Epidemie in der DR Kongo 2026
- Tagesaktuelle Berichterstattung: Nachrichten aus der DR Kongo
- Politische Lage: Politik der DR Kongo
- Wirtschaft: Wirtschaft der DR Kongo
- Geografie & Fakten: Fakten zur DR Kongo
(Quellen u. a.: WHO, ECDC, RKI, UN, USGS, Reuters, Auswärtiges Amt, Radio Okapi, RFI, Actualité.cd)
Redaktion: Paul-Iseewanga Indongo-Imbanda · Letzte Aktualisierung: 1. Juli 2026