Ebola-Epidemie in der DR Kongo 2026: Bundibugyo-Virus und aktuelle Zahlen

BUNIA/GENF – Stand: 1. Juli 2026 – Die DR Kongo durchlebt einen der schwersten Ebola-Ausbrüche ihrer Geschichte. Nach dem offiziellen Lagebericht vom 25. Juni 2026 meldete das kongolesische Gesundheitsministerium 1.155 bestätigte Fälle und 304 Todesfälle; bis zum 30. Juni stiegen die gemeldeten Zahlen nach Regierungsangaben auf 1.307 Infektionen und 377 Todesfälle. Auslöser ist das seltene Bundibugyo-Ebolavirus, gegen das es bislang weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische Therapie gibt. Diese Seite fasst die Epidemie zusammen und wird regelmäßig aktualisiert.

Aktuelle Zahlen und Ausbreitung

Mit Stand 25. Juni 2026 meldete das kongolesische Gesundheitsministerium 1.155 bestätigte Fälle, 304 bestätigte Todesfälle und 385 in Isolation hospitalisierte Personen. Die Provinz Ituri ist mit Abstand am stärksten betroffen: Von dort stammen 1.054 der bestätigten Fälle aus 22 Gesundheitszonen, während Nord-Kivu 98 Fälle aus elf Zonen und Süd-Kivu drei Fälle aus einer Zone verzeichnete.

Die Kurve steigt steil. Noch am 17. Juni hatte die WHO landesweit 896 bestätigte Fälle und 232 Todesfälle bei einer Fallsterblichkeit von 26 Prozent gemeldet – allein seit dem 13. Juni waren 220 zusätzliche bestätigte Fälle hinzugekommen, teils bedingt durch den Ausbau der Testkapazitäten. Der Africa-CDC-Generaldirektor Jean Kaseya warnte, es handele sich um den 17. Ebola-Ausbruch in der DR Kongo und möglicherweise den schwersten, den das Land je erlebt habe.

Ursprung und zeitlicher Verlauf

Die DR Kongo bestätigte den Ausbruch am 15. Mai 2026 im Nordosten des Landes; Zentrum und mutmaßlicher Ursprung liegen in der Provinz Ituri. Die WHO rief am 17. Mai 2026 eine Gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite (PHEIC) aus – wie zuvor beim Ebola-Ausbruch in der DR Kongo 2019 und beim Ausbruch in Westafrika 2014.

Der Ausbruch begann vermutlich Wochen früher als offiziell erfasst. Der früheste bekannte Verdachtsfall, ein 59-jähriger Mann, zeigte am 24. April Symptome und starb am 27. April in einem Krankenhaus in Ituri; bis die Behörden am 5. Mai 2026 auf den Ausbruch aufmerksam wurden, sollen laut Africa CDC bereits rund 50 Menschen gestorben sein.

Das Bundibugyo-Virus: Warum dieser Ausbruch besonders gefährlich ist

Anders als die meisten früheren Ausbrüche wird dieser nicht vom Zaire-Stamm verursacht, sondern vom selteneren Bundibugyo-Ebolavirus. Dieser Erregerstamm ist seit 2007 bekannt und trat zuvor nur bei zwei Ausbrüchen auf – 2007 mit 131 und 2012 mit 38 laborbestätigten Fällen; die Letalität lag historisch zwischen 30 und 40 Prozent.

Das Kernproblem der Bekämpfung: Einen zugelassenen Impfstoff gibt es bislang nur gegen das Zaire-Ebolavirus, das sich zu stark vom Bundibugyo-Virus unterscheidet, um wirksam zu sein; ein an der University of Texas Medical Branch entwickelter Impfstoffkandidat wurde noch nicht am Menschen auf Sicherheit getestet.

Internationale Dimension: Frankreich, Uganda, Deutschland

Die Epidemie hat inzwischen auch internationale Fälle ausgelöst. Am 24. Juni 2026 meldete Frankreich den ersten im EU/EWR-Kontext erfassten Ebola-Fall im Zusammenhang mit diesem Ausbruch: einen Arzt, der von einer humanitären Mission in der DR Kongo zurückgekehrt war; fünf Kontaktpersonen wurden isoliert. In Uganda wurden ebenfalls Fälle mit Bezug zum Ausbruchsgeschehen gemeldet, darunter Fälle in Kampala.

In Deutschland nahm die Charité Berlin am 20. Mai 2026 einen mit dem Ebolavirus infizierten US-amerikanischen Staatsbürger auf ihrer Sonderisolierstation auf. Seine Ehefrau und vier Kinder wurden anschließend behördlich unter Quarantäne gestellt.

Für die Bevölkerung in Deutschland stufen RKI und ECDC das Risiko weiterhin als sehr gering ein. Die WHO rät ausdrücklich von Reise- oder Handelsbeschränkungen gegenüber der DR Kongo und Uganda ab.

Warum die Eindämmung stockt

Der Ausbruch trifft eine Region, die ohnehin am Rand des Zusammenbruchs steht. Die WHO bezeichnet die Lage in Ituri und Nord-Kivu als äußerst unsicher: Rund 4 Millionen Menschen benötigen dort dringend humanitäre Hilfe, 2 Millionen sind auf der Flucht, 10 Millionen sind von akutem Hunger bedroht, und es herrscht großes Misstrauen der Bevölkerung gegenüber externen Behörden. Der bewaffnete Konflikt erschwert die Kontaktverfolgung zusätzlich.

Hinzu kommt der Rückzug westlicher Entwicklungshilfe. Durch die Auflösung der US-Behörde USAID gingen Gesundheitspersonal und Vorräte an Schutzausrüstung zurück. Wie gravierend die logistischen Lücken vor Ort sind, zeigt die Gesundheitszone Nia-Nia, wo Proben von Verdachtsfällen mangels Fahrzeug mit öffentlichen Verkehrsmitteln transportiert werden.

Reaktion der Behörden

Die WHO veröffentlichte Ende Mai erste offizielle Empfehlungen zu experimentellen Behandlungen und Impfstoffen gegen Ebola Bundibugyo und stimmte über ein Aufsichtsgremium die grenzüberschreitende Reaktion mit den betroffenen Staaten ab. Gesundheitsminister Samuel Roger Kamba koordiniert die Bekämpfung vor Ort und musste in Bunia einräumen, dass seit Beginn der Epidemie bereits sechs Mitarbeiter des Gesundheitswesens gestorben sind.

Weiterführende Seiten

(Quellen: WHO, ECDC, RKI, Africa CDC, Gesundheitsministerium DR Kongo, Radio Okapi)

Redaktion: Paul-Iseewanga Indongo-Imbanda · Letzte Aktualisierung: 1. Juli 2026