17.06.2026

„Man jagt die Epidemie jeden Tag“: Bunia überlastet, AU mobilisiert 910 Millionen Dollar – während ADF-Gewalt um 21 Prozent steigt

BUNIA/ADDIS ABEBA/BENI – In Bunia hat das MSF-Behandlungszentrum an der Klinik Elikya seine Kapazität binnen zwei Wochen von 30 auf 80 Betten verdoppelt – und ist trotzdem überlastet. Parallel mobilisierte die Afrikanische Union bei einer Dringlichkeitskonferenz am Dienstag Zusagen über 910 Millionen US-Dollar. Doch während Geld und Betten knapp bleiben, zeigt ein neuer Sicherheitsbericht: Die ADF-Gewalt in Ituri, Nord- und Süd-Kivu ist im Mai um 21 Prozent gestiegen – mit einer Rückkehr der Kämpfer nach Beni, wo es seit 2023 keinen Angriff mehr gegeben hatte.

Bunia: „Wir müssen jeden Tag Patienten abweisen“

Vor dem MSF-Zentrum, das an die bestehende Klinik Elikya angeschlossen ist, fährt ein Leichenwagen mit einem weiteren Ebola-Opfer davon; etwa zwanzig Angehörige sitzen dahinter, durch Sicherheitsabstand getrennt. Dr. Maria Mashako, die die medizinische Hilfe von MSF in Ituri koordiniert, beschreibt die Lage: „Man jagt der Epidemie jeden Tag hinterher.“ Das vor zwei Wochen eröffnete Zentrum hat seine Kapazität bereits von etwa 30 auf 80 Betten verdoppelt – und reicht trotzdem nicht aus. „Leider müssen wir jeden Tag Patienten abweisen, weil wir keinen Platz mehr haben“, gibt sie zu. „Manche werden in andere Behandlungszentren verlegt. Wir rufen unsere Kollegen an, um zu fragen, ob Betten frei sind. Und manchmal gibt es nirgendwo freie Betten. Die Patienten gehen nach Hause, und wir versuchen, sie zurückzurufen, sobald ein Platz frei wird.“

Vor den Zelten stellt Jolie Essenstabletts für ihre vier Schwestern und ihren Bruder ab, die im Krankenhaus liegen. Ebola hat bereits ihre ältere Schwester und ihre Tante getötet. „Wir sind so gestresst. So viele liegen schon am Boden“, sagt sie. Eine ihrer Schwestern schafft es aufzustehen, um sie aus der Ferne zu begrüßen, getrennt durch Absperrungen. „Trotzdem ist jetzt alles gut“, sagt Jolie erleichtert. „Ich bin sogar richtig glücklich!“

Afrikanische Union mobilisiert 910 Millionen Dollar

Bei einer am Dienstag von der Afrikanischen Union einberufenen Videokonferenz mit rund zehn Staats- und Regierungschefs sowie Ministern wurden laut Jean Kaseya, Generaldirektor des Africa CDC, Zusagen über insgesamt 910 Millionen US-Dollar gesammelt. Der burundische Präsident Evariste Ndayishimiye, derzeit AU-Vorsitzender, mahnte: „Nur eine gemeinsame und abgestimmte Reaktion kann diese Epidemie überwinden. Afrika muss zudem Führungsstärke beweisen, indem es mindestens 100 Millionen US-Dollar von afrikanischen Regierungen und dem afrikanischen Privatsektor mobilisiert.“

AU-Kommissionsvorsitzender Mahmoud Ali Yusuf kritisierte den wiederkehrenden Charakter solcher Krisenreaktionen und forderte Investitionen in afrikanische Kapazitäten: „Unser Kontinent verfügt über erstklassige Forschungsinstitute und Labore: BioVac in Südafrika, das Pasteur-Institut im Senegal. Wir sind überzeugt, dass die großen Pharmakonzerne nicht unbedingt in Forschung investieren, die ihnen keine signifikanten Gewinne einbringt. Deshalb müssen wir diese Kämpfe selbst führen.“ Kaseya warnte: „Wenn wir die Ausbreitung dieser Epidemie nicht schnell stoppen, läuft sie Gefahr, zu einer der schwerwiegendsten Epidemien auf dem Kontinent zu werden.“ Präsident Tshisekedi nahm an dem Treffen nicht teil – er befand sich zu diesem Zeitpunkt in den USA zur Fußball-Weltmeisterschaft, wo die kongolesische Mannschaft am Mittwoch ihr Eröffnungsspiel gegen Portugal bestritt.

Krankenpfleger-Verband: 23 Tote im Gesundheitswesen

Der Provinzverband des Nationalen Berufsverbands der Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger (ONIC) in Ituri schlug am 15. Juni in einer Erklärung Alarm wegen der Arbeitsbedingungen. Die Organisation kritisiert die Einstellung von Personal ohne nachgewiesene Qualifikationen sowie die unzureichende Einbindung lokaler Expertise und zeigt sich besorgt über Bedrohungen, Angriffe und Entführungen von Gesundheitspersonal. ONIC-Vizepräsident Timothée Kosianza zeichnet ein düsteres Bild: „Bis zum 13. Juni 2026 sind offiziell 23 Angehörige des Gesundheitspersonals, darunter Pflegekräfte und Ärzte, im Dienst ums Leben gekommen.“ Der Verband fordert verbesserte Schutzausrüstung, mehr Behandlungszentren und eine stärkere Einbindung lokaler Fachkräfte in die Koordinierung.

Beni: Kinderparlament fordert sicheren Zugang zu Trinkwasser

Anlässlich des Internationalen Tages des Afrikanischen Kindes appellierte das Kinderparlament von Beni am 16. Juni an die Behörden, Kindern einen sicheren Zugang zu Trinkwasser zu garantieren – ein Thema mit doppelter Dringlichkeit angesichts des Ebola-Ausbruchs. Éloge Bwanakawa, Präsident der Organisation, wandte sich direkt an den Wasserversorger REGIDESO: „Die Orte, an denen Kinder Wasser holen, sind derzeit gefährlich. Wir fordern REGIDESO außerdem auf, die Anzahl der öffentlichen Trinkbrunnen zu erhöhen, damit Kinder nicht mehr weite Wege mit all den damit verbundenen Risiken zurücklegen müssen.“ Gesundheitsexperten nutzten die Veranstaltung, um Kindervertreter über Hygienemaßnahmen aufzuklären – saubere Wasserversorgung gilt als erste Verteidigungslinie gegen die Ausbreitung des Virus.

Beni erneut im Visier der ADF – Anstieg um 21 Prozent

Das Kivu-Sicherheitsbarometer des kongolesischen Instituts Ebuteli verzeichnete im Mai 305 Sicherheitsvorfälle in Ituri, Nord- und Süd-Kivu, gegenüber 235 im April – ein Anstieg um 21 Prozent, fast vollständig auf die ADF zurückzuführen. Die Gruppe tötete im Mai mindestens 190 Zivilisten, verglichen mit 53 im Vormonat. Besonders symbolträchtig: In der Nacht vom 30. auf den 31. Mai führte die ADF drei Angriffe auf Beni und sein Umland durch – die Stadt selbst war seit 2023 von Angriffen verschont geblieben.

Weiter nördlich, im Gebiet Mambasa, wurde das Dorf Alima binnen zwei Wochen dreimal angegriffen – am 7., 19. und 22. Mai –, mit insgesamt rund 40 Toten. Der Bericht bringt diese Gewaltwelle mit der im April von den FARDC gestarteten Operation Shujaa im benachbarten Häuptlingstum Babila Bakwana in Verbindung. Regierungssprecher Patrick Muyaya erklärte Anfang Juni, in Ituri und Nord-Kivu seien in Abstimmung mit der ugandischen Armee Verstärkungsmaßnahmen gegen bewaffnete Gruppen umgesetzt worden.

Mambasa: Lokale Akteure fordern verstärkte MONUSCO-Unterstützung

Seit März 2025 haben ADF-Angriffe in den Häuptlingstümern Babila-Babombi und Babila-Bakwanza im Gebiet Mambasa zugenommen; lokale Akteure berichten von über zwanzig betroffenen Dörfern, mit Todesopfern, Massenvertreibungen und dem Zusammenbruch wirtschaftlicher Aktivitäten. Bei einem von MONUSCO am 15. Juni in Bunia organisierten Treffen warnten Teilnehmer zusätzlich vor der wachsenden Präsenz von Wazalendo-Gruppen in Teilen von Ituri. Michel Meta, Präsident der Union der Kulturvereine für die Entwicklung von Ituri (UNADI), forderte engere Zusammenarbeit zwischen MONUSCO und FARDC: „MONUSCO sollte unsere Armee bei ihren Operationen gegen die ADF und auch gegen die sogenannten Wazalendo unterstützen, die mit den ADF zusammenarbeiten, um die Bevölkerung zu terrorisieren. Manchmal sind sie es sogar, die den ADF den Weg ebnen, damit diese unsere Leute töten kann.“

Vertriebene aus Kivu in Kinshasa: 19 Tote durch fehlende Versorgung

Rund 2600 vertriebene Haushalte aus Nord- und Süd-Kivu leben seit mehreren Monaten unter extrem schwierigen Bedingungen in Kinshasa. Viele, die zunächst bei Gastfamilien Unterschlupf fanden oder Wohnungen mieteten, sind inzwischen obdachlos oder können sich die Miete nicht mehr leisten. Jordan Mulikuza, Präsident der Gruppe – bestehend aus Anwälten, Aktivisten und Regierungsangestellten –, berichtet, dass in Kinshasa bereits fast 19 Vertriebene aufgrund fehlender Ressourcen und medizinischer Versorgung gestorben sind: „Wir weigern uns, im Herzen unserer eigenen Hauptstadt still zu sterben. Wir verurteilen die Tatsache, dass keine Regierungsstruktur einen nachhaltigen Hilfsplan zur Unterbringung, Verpflegung und Betreuung der Tausenden vertriebenen Landsleute in Kinshasa aufgestellt hat.“ Betroffen sind auch Studierende aus Kivu, deren dringendste Forderungen Studiengebührenbefreiung, Unterkunft und Sozialhilfe umfassen. Richard Bongania, eine prominente Persönlichkeit aus Goma, mahnt: „Ein Teil der Bevölkerung wurde aus seiner Heimat vertrieben und ist nun hier in Kinshasa. Sie brauchen die Unterstützung ihrer Regierung, ihres Präsidenten.“

(Quelle: RFI, Radio Okapi, Kivu-Sicherheitsbarometer/Ebuteli)