24.06.2026

Erster Ebola-Fall in Frankreich, Proben in Nia-Nia per Bus transportiert, Lithium-Produktion in Manono startet

PARIS/MAMBASA/MANONO – Am 24. Juni bestätigten die französischen Gesundheitsbehörden den ersten Ebola-Fall auf europäischem Boden im Zusammenhang mit der aktuellen Epidemie: ein Arzt, der aus Kinshasa zurückgekehrt war. Beim Einsteigen in das Flugzeug hatte er noch keine Symptome gezeigt. Fünf Mitreisende wurden isoliert. Der Fall wirft europäisches Schlaglicht auf eine Epidemie, die in der DR Kongo mittlerweile 1.048 bestätigte Fälle und 267 Todesfälle zählt. Parallel dazu zeigt ein Bericht aus der Gesundheitszone Nia-Nia, wie gravierend die logistischen Lücken vor Ort bleiben: Proben von Ebola-Verdachtsfällen werden mangels Fahrzeug mit öffentlichen Verkehrsmitteln transportiert.

Erster Ebola-Fall in Frankreich: isoliert, Kontaktverfolgung läuft

Das französische Gesundheitsministerium bestätigte am 24. Juni die Feststellung des ersten positiven Ebola-Falls auf französischem Territorium – auf dem Festland. Bei dem Patienten handelt es sich um einen Arzt, der nach seiner Rückkehr aus Kinshasa positiv auf das Bundibugyo-Virus getestet wurde. Gesundheitsministerin Stéphanie Rist erklärte auf France 2: Der Arzt habe beim Einsteigen in das Flugzeug, das am Dienstag in Paris landete, keine Symptome gezeigt. Fünf Personen aus dem Flugzeug gelten als mögliche Kontaktpersonen und wurden isoliert.

Das Ministerium teilte mit: „Alle Vorsichtsmaßnahmen, einschließlich der Isolation des Patienten, wurden bei seiner Ankunft im Land getroffen. Er wurde unter sicheren Bedingungen ins Krankenhaus gebracht, um jegliches Ansteckungsrisiko auszuschließen.« Es wird geprüft, ob weitere Kontaktpersonen betroffen sind, die für 21 Tage in häusliche Quarantäne müssen.

Es ist der erste in Frankreich diagnostizierte Ebola-Fall überhaupt. Im Jahr 2014 wurden zwar zwei Patienten nach Frankreich eingeliefert, aber erst nach einer Diagnose im Ausland. Experten betonen, das weltweite Übertragungsrisiko bleibe weiterhin gering: Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) stuft das Infektionsrisiko für europäische Einwohner als gering und für die europäische Bevölkerung insgesamt als sehr gering ein.

Nia-Nia: Proben per öffentlichem Bus, ADF schließt Gesundheitszentrum

In der Gesundheitszone Nia-Nia im Gebiet Mambasa (Ituri), 360 Kilometer von Bunia entfernt, transportieren medizinische Teams Proben von Ebola-Verdachtsfällen mangels geeigneter Transportmittel mit öffentlichen Verkehrsmitteln – ein erhebliches Risiko für andere Fahrgäste und für die Integrität der Proben selbst. Leitender Amtsarzt Dr. Joseph Pemanakue fordert dringend Abhilfe: „Wir benötigen ein Fahrzeug, das speziell für die Probenentnahme in den Gesundheitszentren und den direkten Transport ins Labor vorgesehen ist. Mit einem mobilen Labor in Nia-Nia könnten Proben zudem sofort analysiert werden.«

Die Region steht unter doppeltem Druck: Neben den logistischen Mängeln greifen ADF-Rebellen regelmäßig die Gesundheitsgebiete Badengaido und Bafwakoa an. Das Gesundheitszentrum Bafwakoa ist seit April geschlossen, Personal und Ausrüstung arbeiten unter notdürftigen Bedingungen im Zentrum Nia-Nia.

Ebola weltweit: 1.048 Fälle, 267 Tote – Höhepunkt noch nicht erreicht

Die aktuellen Zahlen: In der DR Kongo sind 1.048 Menschen infiziert, 267 gestorben. Experten gehen davon aus, dass das tatsächliche Ausmaß des Ausbruchs – der auch sehr abgelegene Gebiete erfasst – unterschätzt wird. Mitte Juni hatte die WHO mitgeteilt, dass sich die Ausbreitung trotz verstärkter Maßnahmen beschleunigt. Der Höhepunkt der Epidemie ist nach Einschätzung der Behörden noch nicht erreicht.

Manono: DR Kongo startet Lithium-Produktion – erste 500.000 Tonnen bis Ende Juni

Eine wirtschaftliche Nachricht von strategischer Bedeutung: Manono Lithium, Tochtergesellschaft des chinesischen Konzerns Zijin Mining, hat angekündigt, noch bis Ende Juni 500.000 Tonnen Lithiumcarbonat zu produzieren – aus dem weltgrößten Lithiumvorkommen in der Provinz Tanganyika. Bis Ende des Jahres soll sich die Menge verdoppeln, auf jährlich rund eine Million Tonnen Lithiumkonzentrat. Die Verarbeitung erfolgt vor Ort zu Lithiumsulfat; der Export läuft über den Tanganjikasee via Kalemie, wo Manono Lithium auch einen privaten Industriehafen (Port Mutoa) baut.

Neben dem chinesischen Akteur beschleunigt das amerikanische Unternehmen KoBold Metals mit geplanten Investitionen von 50 Millionen US-Dollar bis 2027 seine Exploration: Acht Explorationsgenehmigungen in der Region Manono und Malemba Nkulu wurden vergeben; CEO Benjamin Katabuka hofft, dass „mindestens ein oder zwei“ zu bedeutenden Lagerstättenfunden führen. Die DR Kongo positioniert sich mit einer Gesamtproduktionskapazität von 5 Millionen Tonnen Lithium pro Jahr als wichtiger Akteur in der globalen Lieferkette. Angèle Kombe, Mitglied einer Zivilgesellschaftsorganisation in Kalemie, mahnt zur Einordnung: „Von Manono nach Kalemie, wo die Straße verläuft, über die tonnenweise Lithium transportiert werden soll – wie viele gute Krankenhäuser, wie viele Schulen, wie viele Märkte gibt es? Für eine Entwicklung ist gute Regierungsführung unerlässlich.«

Umweltschützer in Gefahr: 31 Fälle von Repression in fünf Monaten

Die kongolesische NGO ACEDH (Alert for the Environment and Human Rights) dokumentiert in einem am 23. Juni in Beni veröffentlichten Bericht mindestens 31 schwere Menschenrechtsverletzungen gegen Land- und Klimaschützer zwischen August 2025 und März 2026 in fünf Provinzen. Darunter: sechs Ermordungen, 16 Gerichtsverfahren zur Einschüchterung, zwei entführte Wildhüter. Die Vorfälle ereigneten sich in Haut-Uélé, Maniema, Tshopo, Équateur und Nord-Kivu; betroffen sind auch Wildhüter in den Nationalparks Upemba, Kahuzi-Biega und dem Okapi-Wildreservat. Exekutivsekretär Olivier Ndoole nennt den Widerspruch: „Provinzen mit bedeutendem Bergbau, ausgedehnten Wäldern und Nationalparks sind besonders anfällig für diese schwerwiegenden Verstöße, die oft mit weitverbreiteter Straflosigkeit begangen werden – während sich die DR Kongo international als ‚Lösungsland‘ für die Klimakrise bezeichnet. ACEDH fordert gerichtliche Ermittlungen, eine Reform des Schutzgesetzes für Menschenrechtsverteidiger und eine Kampagne gegen SLAPP-Klagen durch multinationale Konzerne.

Sichelzellanämie-Screening in Kisangani: Fünf Tage, kostenlose Tests

Am 19. Juni, dem Weltsichelzelltag, startete am Höheren Pädagogischen Institut (ISP) in Kisangani eine fünftägige kostenlose Screening-Kampagne für Sichelzellanämie. Die Kampagne endete am 24. Juni und zog zahlreiche Studierende, Lehrende und Stadtbewohner an. Ärztin Dr. Rachel Mukangi erläuterte das Ziel: „Die Kenntnis des eigenen Hämoglobinwerts hilft, Sichelzellanämie vorzubeugen, indem man Partner meidet, die das Risiko bergen, Kinder mit dem Sichelzellmerkmal zu bekommen.“ Personen mit Hämoglobin AA sind nicht betroffen; AS-Träger tragen das Merkmal, oft ohne Symptome; SS-Träger sind erkrankt. Mukangi appellierte abschließend an alle noch nicht Getesteten, das Angebot sofort zu nutzen: „Ohne zusätzliche Mittel werden die Testkapazitäten sehr bald erschöpft sein.“

Kampagne „Eine Stimme“ gegen sexuelle Gewalt gestartet

Am 23. Juni startete die kongolesische Regierung in Kinshasa die nationale und internationale Kampagne „Eine Stimme“ zur Bekämpfung sexueller Gewalt – zeitgleich mit der Übernahme des PSVI-Vorsitzes (Internationale Allianz zur Prävention von sexueller Gewalt). Menschenrechtsminister Samuel Mbemba zeichnete ein düsteres Bild der Lage im Osten des Landes, wo Massenvergewaltigungen im Kontext bewaffneter Konflikte andauern. Geplant sind ein Provinzforum zu „positiver Männlichkeit“ und Strategien gegen Cybermobbing.

(Quelle: RFI, Radio Okapi, AFP)