Entführte Ebola-Patientin in Butembo, zehn Tote in Kigonze, Tshisekedi in Houston schockiert Diaspora – AFC/M23 droht mit Gegenwehr
BUTEMBO/KIGONZE/HOUSTON – Am 17. Juni gab die Gesundheitsbehörde von Nord-Kivu eine Vermisstenmeldung heraus: Bewaffnete hatten im Wanamahika Adventist Hospital in Butembo eine Ebola-positive Mutter und ihre sechseinhalbjährige Tochter gewaltsam verschleppt. Gleichzeitig meldete das Flüchtlingslager Kigonze in Ituri binnen 48 Stunden zehn Todesfälle – acht davon Kinder. Und aus Houston sendete Präsident Félix Tshisekedi nach dem 1:1-Unentschieden der Leoparden gegen Portugal eine Rede an die kongolesische Diaspora, die international für Empörung sorgte: Die AFC/M23 reagierte mit einer Drohung, sich militärisch zu verteidigen.
Butembo: Ebola-Patientin und Kind gewaltsam verschleppt
Bewaffnete Männer stürmten das Wanamahika Adventist Hospital in Mutiri bei Butembo und entführten Zawadi Manacée und ihre sechseinhalbjährige Tochter Christelle Kavugho – beide kurz zuvor positiv auf Ebola getestet. Das Ebola-Einsatzteam der Provinz sucht aktiv nach ihnen; die Gesundheitsbehörde bittet alle mit sachdienlichen Hinweisen, sich umgehend an Gesundheits- oder Sicherheitsbehörden zu wenden.
Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art in Butembo. In der Vorwoche versuchten Unbekannte das Katwa-Ebola-Behandlungszentrum in Brand zu setzen – Personen in medizinischen Jacken übergossen Einrichtungen mit Benzin. Die Polizei löschte das Feuer rechtzeitig. Einen Tag später wurde ein Verdächtiger aus der Gemeinde Mususa festgenommen und dem Bürgermeister von Butembo vorgeführt.
Kigonze: Zehn Tote in 48 Stunden, letzte Lebensmittelhilfe 2021
Im Flüchtlingslager Kigonze in Ituri starben binnen 48 Stunden zehn Menschen – darunter acht Kinder –, wie die Lagerleitung am 17. Juni über Radio Okapi meldete. Die Verstorbenen zeigten vor dem Tod vor allem Fieber und Anämie, keine Blutungen. Ob Ebola die Ursache ist, steht noch nicht fest; medizinische Tests wurden angeordnet, das Ebola-Einsatzteam Ituri hat sich bislang nicht offiziell geäußert.
Der Lagerleiter führt die Situation auch auf die katastrophalen Lebensbedingungen zurück: „Wir haben seit fünf Jahren keine Hilfe mehr erhalten.“ Die letzte Lebensmittelhilfe datiert aus dem Jahr 2021. Einige Familien hatten vor der Beisetzung Kontakt zu den Leichen; die Leichen wurden vorübergehend in einem ungenutzten Versammlungsraum aufbewahrt. Der Lagerleiter warnt: „Sollte sich eine Krankheit oder Epidemie unter den Tausenden Menschen an diesem Ort ausbreiten, wäre das angesichts unserer ohnehin schon sehr prekären Lebensbedingungen eine echte Katastrophe.“
Aru: Grenzschließungen treffen ugandisch abhängige Wirtschaft
In Aru, dem Grenzgebiet, das stark vom Handel mit Uganda und dem Südsudan abhängig ist, wachsen die wirtschaftlichen Sorgen. Herr Tabani, Mitglied des Präsidiums der Provinzversammlung, warnte bei der Amtsübergabe zwischen den Militärgouverneuren: „Die Grenze zu Uganda ist heute geschlossen, ebenso wie die Grenze zum Südsudan. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft in Aru. Selbst bei vielen Transaktionen wird die ugandische Währung verwendet.“ Er appellierte an die Bevölkerung zu erhöhter Wachsamkeit: „Das Virus ist da. Es ist in unserer Provinz. Sollten die Fallzahlen steigen, könnten die Folgen noch gravierender sein.“
Krankenpfleger: 23 Tote im Gesundheitswesen bis 13. Juni
Der Nationale Berufsverband der Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger (ONIC) Ituri kritisierte in einer Erklärung vom 15. Juni die Einstellung von Personal ohne nachgewiesene Qualifikationen und die unzureichende Einbindung lokaler Expertise. ONIC-Vizepräsident Timothée Kosianza nennt die Zahl: „Bis zum 13. Juni 2026 sind offiziell 23 Angehörige des Gesundheitspersonals, darunter Pflegekräfte und Ärzte, im Dienst ums Leben gekommen.“ Die Organisation fordert verbesserte Schutzausrüstung, mehr Behandlungszentren und eine stärkere Einbindung lokaler Fachkräfte.
Houston: Tshisekedi greift Kabila an – AFC/M23 droht mit Gegenwehr
Nachdem die kongolesische Nationalmannschaft gegen Portugal 1:1 unentschieden gespielt hatte, wandte sich Tshisekedi in Houston mit einer politischen Rede an die Diaspora – und sorgte für internationale Kontroversen. Ohne Kabila namentlich zu nennen, bezeichnete er ihn als „einen Hund, den man ausnutzen konnte“, spielte auf den Sturz Mobutus 1997 und die Ermordung Laurent-Désiré Kabilas 2001 an und rief die Kongolesen zur Einheit gegen die, wie er sagte, Instrumentalisierung des Regionalismus durch Kigali und seine „Komplizen“ auf. Er versprach zudem die baldige Rückeroberung von Goma und Bukavu.
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Richard Muyej, ehemaliger Gouverneur der Provinz Lualaba, sprach von „beleidigenden“ Äußerungen, die „das kollektive Gewissen verletzen“. Sein ehemaliger Ministerkollege Félix Momat urteilte, Tshisekedi habe „das Amt, das er verkörpern soll, herabgewürdigt“ und nannte es ein „schweres institutionelles Versagen“. Bienvenu Matumo (Plattform „Rettet die DR Kongo“) rief zu einer Oppositionsmobilisierung am 8. Juli auf und hofft auf den Rücktritt des Präsidenten.
Corneille Nangaa, politischer Koordinator der AFC/M23, reagierte am 18. Juni aus Goma scharf: „Gestern Abend erklärte Herr Tshisekedi in Houston, auf dem Boden des amerikanischen Vermittlers und vor seinen Anhängern, erneut den Krieg, obwohl Verhandlungen laufen und ein Waffenstillstandsprotokoll unterzeichnet wurde.“ Nangaa kündigte an, die AFC/M23 behalte sich das Recht vor, auf jede militärische Bedrohung zu reagieren: „Die militaristische Haltung des Kinshasa-Regimes lässt uns keine andere Wahl, als uns zu verteidigen, um diese von Kinshasa offen ausgerufene Bedrohung systematisch zu beseitigen.“
Justizminister nimmt Konsultationen zu Ereignissen vom 12. Juni auf
Justizminister Guillaume Ngefa versandte am 17. Juni offizielle Schreiben an die Führungen der Oppositionsparteien ECiDé, Allianz für Wandel, Envol und Ensemble pour la République sowie an den Nationalen Überwachungsrat CNSA und die Bischofskonferenz CENCO, um Informationen und Dokumente über die Demonstrationsereignisse vom 12. Juni zu sammeln. Laut seiner Kommunikationsabteilung wurde der Ankläger beim Kassationsgerichtshof angewiesen, eine gerichtliche Untersuchung einzuleiten. Zwischen Opposition und Behörden bestehen weiterhin erhebliche Differenzen über Opferzahlen: Die Provinzregierung behauptet, es habe keine Todesopfer gegeben; die Opposition spricht von Toten, zahlreichen Verletzten und erheblichen Sachschäden.
Geheimgespräche: Lubanga-Bewegung und Kinshasa
Uganda hatte im April Gespräche zwischen Kinshasa und der „Konvention für die Volksrevolution“ (CRP) von Thomas Lubanga – dem ehemals vom Internationalen Strafgerichtshof Verurteilten, der seit Anfang 2025 im Exil in Kampala lebt – vermittelt. Laut RFI-Informationen stellte die CRP dabei mehrere Forderungen, darunter den Rücktritt des Militärgouverneurs von Ituri. Kinshasa reiste mit diesen Forderungen ab, ohne öffentlich zu reagieren. Daraufhin erklärte die CRP einen einseitigen Waffenstillstand; doch da die Verhandlungen stockten, kontaktierte sie Kampala erneut. Lubanga behauptet, einen Brief an Kinshasa über die Freilassung von Kriegsgefangenen geschickt zu haben – ohne Antwort zu erhalten. Vor Ort hält der Waffenstillstand nicht: Mindestens zwei Zusammenstöße zwischen CRP und FARDC wurden dokumentiert. Eine Auflösung der Bewegung oder Umwandlung in eine Partei schloss Lubanga aus; die Ebola-Epidemie in der Region hält ihn nach eigenen Angaben derzeit von Offensivoperationen ab.
Polio-Impfkampagne in Équateur: 641.000 Kinder
In Mbandaka startete Vizegouverneur Thomas Boyenge Ifaso am 17. Juni eine Polio-Impfkampagne, die fast 641.000 Kinder unter fünf Jahren in 18 Gesundheitszonen der Provinz Équateur erreichen soll. Seit Anfang 2026 wurden in der DR Kongo zehn Poliofälle registriert – neun in Maniema, einer in Haut-Lomami. WHO-Vertreter Lado Addoulaye bezeichnete die Situation als besorgniserregend.
UNICEF liefert Sauerstoffanlage für Kinshasa
Am 17. Juni übergab UNICEF dem Kingasani-Krankenhauszentrum in Kinshasa eine neue Anlage zur Produktion von medizinischem Sauerstoff mit einer Kapazität von 2.500 Litern pro Tag. Die DR Kongo verfügt derzeit über 58 solche Anlagen in 22 Provinzen; einige Provinzen wie Haut-Uele, Bas-Uele, Tshuapa und Tanganyika haben noch keine entsprechende Infrastruktur. Der Jahresbedarf des Landes wird auf rund 24 Milliarden Liter geschätzt – für eine bedarfsgerechte Versorgung wären laut Gesundheitsbehörden etwa 450 Produktionsanlagen erforderlich.
(Quelle: Radio Okapi, RFI, Actualité.cd)