28.05.2026

EU-Luftbrücke erreicht Bunia, Kanada schließt Grenzen, Nationalversammlung billigt Referendumsgesetz

BUNIA/KINSHASA/OTTAWA – Zwei Wochen nach Ausbruch der Ebola-Epidemie im Osten der Demokratischen Republik Kongo verdichtet sich die internationale Reaktion, während sich die Lage vor Ort weiter zuspitzt. Am Donnerstagmorgen, dem 28. Mai, landete gegen 7 Uhr eine von ECHO, dem europäischen Hilfswerk für humanitäre Hilfe, gecharterte Boeing 737 mit acht Tonnen Hilfsgütern in Bunia. Es war der erste Flug einer geplanten Luftbrücke zwischen Nairobi und der Provinzhauptstadt von Ituri – insgesamt acht Flüge bis zum 6. Juni, 100 Tonnen Hilfsgüter. Parallel beschränkte Kanada die Einreise aus drei betroffenen Ländern, während die Nationalversammlung in Kinshasa trotz Oppositionsboykott ein umstrittenes Referendumsgesetz billigte.

EU-Luftbrücke: Von Lüttich über Nairobi nach Bunia

Die Luftbrücke war ursprünglich über Uganda geplant. Als Kampala am 21. Mai alle Flugverbindungen mit der DR Kongo einstellte, musste der Plan überarbeitet werden. Erschwerend kam hinzu, dass der Flughafen Bunia am vergangenen Wochenende ebenfalls geschlossen war und Flugzeuge nun eine Sondergenehmigung benötigen. Nachdem die Hilfsgüter am Montag in Lüttich gestartet waren, landeten sie schließlich in Nairobi – von dort aus wurden Ausnahmeregelungen mit Kinshasa ausgehandelt, um die Weiterreise nach Ituri zu ermöglichen.

UNICEF nahm die Lieferung entgegen und verteilte Schutzausrüstung, Zelte und Medikamente an die vor Ort tätigen Organisationen: Ärzte ohne Grenzen, die WHO, das Internationale Medizinische Korps und weitere. Laut den neuesten Behördenangaben gibt es inzwischen mehr als 1000 Verdachtsfälle und 238 wahrscheinliche Todesfälle – in drei der 26 Provinzen des Landes.

Erste Genesung – und anhaltende Schwächen im System

Am 27. Mai verließ in Rwampara die erste Person das Ebola-Behandlungszentrum – geheilt. Sie ist der erste bestätigte Überlebende des aktuellen Bundibugyo-Ausbruchs. Ein Mitarbeiter des Zentrums erklärt, wie Genesung ohne spezifisches Medikament möglich ist: „Bevor die Moleküle für den Zaire-Stamm entdeckt wurden, sind Menschen genesen. Manchmal genügt es schon, die Symptome richtig zu behandeln.“

Der ärztliche Direktor präzisiert, dass die Inkubationszeit zwischen zwei und 21 Tagen variiert – je nach Immunsystem des Einzelnen. Hinter dem Erfolg verbergen sich jedoch weiterhin strukturelle Probleme. In den Laboren fehlen nicht die Reagenzien, sondern die Verarbeitungskapazitäten – viele Proben bleiben ungetestet, ohne Schnelltests keine Kontaktverfolgung. Beerdigungsteams kommen oft nicht hinterher, der Widerstand in der Bevölkerung ist weiterhin stark, und wer Kontaktpersonen ermittelt, wird teils angegriffen. Das Zentrum in Rwampara arbeitet mit 19 provisorischen Betten; der Bau eines permanenten Zentrums ist im Gange.

Presseschau: Misstrauen, Wut und Patientenflucht

Rund 15 Tage nach der WHO-Erklärung zum internationalen Gesundheitsnotstand berichten die kongolesischen Medien vorwiegend über das Spannungsfeld zwischen Gesundheitsmaßnahmen und dem Misstrauen in der Bevölkerung. Le Forum des As aus Kinshasa schreibt, dass sich der Kampf laut den Behörden selbst noch drei bis sechs Monate hinziehen könnte. „Für Kinshasa bleibt die rasche Eindämmung der Virusausbreitung bei gleichzeitiger Beruhigung der Bevölkerung die größte Herausforderung der kommenden Wochen.“

Le Monde Afrique dokumentiert einen Vorfall in Kyondo, Nord-Kivu: Eine wütende Menschenmenge griff medizinisches Personal an, das einen Sarg abtransportieren wollte, und riss schließlich den Sargdeckel weg. In Mongwalu mussten Sicherheitskräfte Warnschüsse abgeben, nachdem junge Gläubige das Krankenhaus belagert hatten, um den Leichnam eines beliebten Pastors zu bergen.

Afrik.com berichtet, dass bei dem Brand der Isolierzelte in Mongwalu am vergangenen Wochenende insgesamt 25 Patienten flohen, von denen laut Radio Okapi noch immer 13 vermisst werden. „Diese Patientenflucht stellt eines der schlimmsten Szenarien für die Bekämpfung der Krankheit dar“, schreibt Afrik.com. „Wenn symptomatische Patienten zu ihren Familien zurückkehren oder zwischen Dörfern reisen, wird die Nachverfolgung der Infektionskette erheblich erschwert.“

Le Journal de Kinshasa meldet, dass Afrika fast 500 Millionen US-Dollar mobilisiert, um eine regionale Ausbreitung zu verhindern. Ziel sei es, den Ausbruch zu stoppen, bevor er zum zweitschlimmsten seit 2014 wird.

Rotes Kreuz: Freiwillige sind die stärkste Waffe – und die verletzlichste

Am 27. Mai bekräftigten Diplomaten und humanitäre Helfer in Kinshasa ihre Unterstützung für die kongolesische Regierung bei einer Informationsveranstaltung des Roten Kreuzes der DR Kongo. Gloria Lombopolo, Generalsekretärin des Roten Kreuzes, betonte das Netzwerk lokaler Freiwilliger als zentrale Stärke: „Das Rote Kreuz der DR Kongo lebt von der starken Präsenz seiner Freiwilligen. Das ist unsere Stärke.“ Diese Freiwilligen kennen die Rituale und Traditionen der betroffenen Gemeinden und sind für würdevolle und sichere Bestattungspraktiken ausgebildet.

Die Veranstaltung begann mit einem Moment des Gedenkens an drei kürzlich verstorbene Rotkreuz-Freiwillige. Bislang hat das Rote Kreuz der DR Kongo nach eigenen Angaben mehr als 30.000 Menschen über Ebola-Prävention aufgeklärt.

Kanada schließt Grenzen – 15 Tage vor der WM

Seit dem 27. Mai können Staatsangehörige der DR Kongo, Ugandas und des Südsudans nicht mehr nach Kanada einreisen – unabhängig davon, ob sie ein gültiges Visum besitzen. Einwanderungsministerin Lena Diab stellte klar, dass es sich um eine 90-tägige Aussetzung der Antragsbearbeitung handelt, keine Annullierung bereits erteilter Dokumente. Personen, die sich bereits in Kanada aufhalten, werden nicht zur Ausreise aufgefordert.

Wer dennoch aus den drei betroffenen Ländern nach Kanada einreist, muss sich einer medizinischen Untersuchung unterziehen. Verdachtsfälle werden hospitalisiert, alle anderen für 21 Tage in Quarantäne. In Kanada selbst hat es noch nie einen Fall von importiertem Ebola gegeben. Ottawa handelt nach eigenen Angaben vorsorglich – auch wegen der FIFA-Weltmeisterschaft 2026, die vom 11. Juni bis 19. Juli in Kanada, den USA und Mexiko stattfindet und Hunderttausende internationale Besucher erwartet.

Die USA, Kanada und Mexiko koordinieren epidemiologische Überwachungsprotokolle für das Turnier. Für die kongolesische Nationalmannschaft haben die USA bereits eine 21-tägige Quarantäne-Blase angeordnet, bevor sie ins Land einreisen darf. Ihr erstes Spiel ist am 17. Juni gegen Portugal in Houston; die Anreise ist für den 11. Juni geplant.

Nationalversammlung billigt Referendumsgesetz – ohne die Opposition

In Kinshasa hat die Nationalversammlung am 27. Mai trotz des Boykotts der Oppositionsfraktion „Ensemble pour la République“ die Schlussfolgerungen des Berichts zum Gesetzentwurf über die Organisation von Referenden gebilligt. Der von Abgeordnetem Paul-Gaspard Ngondankoy eingebrachte Entwurf soll das Referendumsgesetz von 2005 ersetzen.

Dem Text zufolge liegt die Entscheidung über ein Referendum ausschließlich beim Präsidenten der Republik und erfolgt per Dekret. Stimmt die Mehrheit für eine Verfassungsänderung, wird das Parlament zur verfassungsgebenden Versammlung einberufen. Ein von ihr verabschiedeter Entwurf muss eine Dreifünftelmehrheit erreichen, bevor er dem Volk zur Abstimmung vorgelegt wird. Lehnt das Volk ab, bleibt die geltende Verfassung in Kraft.

Die rund zwanzig Oppositionsabgeordneten verließen den Plenarsaal, bevor die Beratung begann. Fraktionsvorsitzender Christian Mwando begründete dies: „Das eigentliche Ziel der Mehrheit ist es, Artikel 220 der Verfassung außer Kraft zu setzen und dem Präsidenten eine unbefristete Amtszeit zu gewähren.“ Artikel 220 begrenzt die Präsidentschaft auf zwei Amtszeiten. Die Fraktion bezeichnet das Vorgehen als „unmoralisch und illegal“ angesichts des laufenden Krieges im Osten des Landes und des dort geltenden Kriegsrechts. Die Oppositionskoalition hat für den 3. Juni einen Generalstreik ausgerufen.

Nationalversammlungspräsident Aimé Boji Sangara reagierte knapp: „Wenn die Opposition nicht will, dass das Volk seine Meinung äußert, kann sie gehen. Wir aber werden ruhig unsere Arbeit fortsetzen.“

(Quelle: RFI, Radio Okapi, Actualité.cd, Le Monde Afrique, Afrik.com, Le Forum des As, Le Journal de Kinshasa, Jeune Afrique)