08.07.2026

1,15 Millionen von Hunger betroffen, Angriff auf Isolierzentrum in Butembo – während Suminwa erstmals seit 30 Jahren UN-Sicherheitsrat leitet

ITURI/BUTEMBO/NEW YORK – Die Ebola-Epidemie trifft eine Region, die bereits am Rand der Ernährungssicherheit steht: In den betroffenen Gebieten leiden über 1,15 Millionen Menschen an akuter Ernährungsunsicherheit. Von den Familien der Infizierten erhielt nur ein Viertel direkte Nahrungsmittelhilfe. In Butembo griffen in der Nacht zum 7. Juli bewaffnete Männer ein Isolierzimmer für Ebola-Verdachtsfälle im Kitatumba-Krankenhaus an. Und in New York leitete die kongolesische Premierministerin Judith Suminwa am 8. Juli erstmals seit über 30 Jahren als Vertreterin eines Landes eine Sicherheitsratsdebatte – zum Thema sexuelle Gewalt in Konflikten.

1,15 Millionen Hungernde – nur 3 Prozent der Kontaktpersonen versorgt

Laut aktuellem UN-Lagebericht sind in Ituri mittlerweile zwei von drei Gesundheitszonen von Ebola betroffen – und genau dort ist der Hunger am gravierendsten. Die Epidemie bringt lokale Märkte durcheinander, unterbricht Lieferketten und treibt die Preise nach oben. Von den 1.511 bestätigten Fällen hatten bis Monatsbeginn nur 900 direkte Nahrungsmittelhilfe erhalten. Bei Familien der Infizierten lag die Versorgungsquote bei 25 Prozent – bei Verdachtsfällen und Kontaktpersonen sank sie auf lediglich 3 Prozent.

Das Hilfskomitee beantragt 22 Millionen US-Dollar zur Deckung des Ebola-bedingten Bedarfs – ein Betrag, der im Kontext des umfassenderen humanitären Plans für die DR Kongo (621 Millionen US-Dollar, bislang nur zu 84 Prozent finanziert) zu sehen ist.

Uganda: 50 Experten, aber Grenzen bleiben geschlossen

Ugandas Gesundheitsminister Chris Baryomunsi traf am 7. Juli mit rund 50 Experten in Ituri ein, stationiert gemeinsam mit kongolesischen Teams in Aru und Kasenyi, wo neue Behandlungszentren entstehen. Die Grenzen bleiben dennoch für Reisende geschlossen. Baryomunsi erklärte in Bunia: „Wenn wir sicher sind, dass wir alle Patienten in den Behandlungszentren versorgen, Kontaktpersonen nachverfolgen, sie isolieren und überwachen können, werden wir die Grenzen schnell wieder öffnen.“ Er verwies auf Ugandas eigene Bilanz als Beleg für frühzeitige Behandlung: „In Uganda wurden zwanzig bestätigte Fälle und nur zwei Todesfälle registriert. Dies zeigt, dass eine frühzeitige Behandlung Leben rettet.“ Lastwagen, medizinisches Personal, humanitäre Helfer und Sicherheitskräfte dürfen die Grenze weiterhin passieren; die Kooperation baut auf der am 23. Juni gestarteten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit auf, die regelmäßigen Datenaustausch und gemeinsame Überwachung vorsieht.

UNICEF: „Wir riskieren, an anderen Fronten ins Hintertreffen zu geraten“

Beim Treffen mit dem Militärgouverneur Ituris mahnte UNICEF-Regionaldirektor Gilles Fagninou, der Kampf gegen Ebola dürfe nicht auf Kosten anderer essenzieller Gesundheitsdienste gehen – insbesondere Kinderimpfungen, Schwangerenvorsorge und Routineversorgung. „Heute hat man den Eindruck, dass wir uns sehr auf Ebola konzentrieren und dabei andere Bereiche, in denen Fortschritte erzielt wurden, etwas vernachlässigen. Wenn man so weitermacht, riskieren wir, an anderen Fronten ins Hintertreffen zu geraten.“ Bildung war ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche – viele Kinder in Ituri sind wegen Unsicherheit und Vertreibung weiterhin vom Schulbesuch ausgeschlossen. Ein Folgetreffen im August soll Kinderschutz und Kinderbeteiligung vertiefen.

Butembo: Isolierzimmer angezündet, mutmaßlich Wazalendo

In der Nacht zum 7. Juli attackierten bewaffnete Männer, mutmaßlich der Wazalendo-Gruppe zugehörig, zunächst den Wachpolizisten des Kitatumba-Krankenhauses mit einem Messer, bevor sie das Isolierzimmer für Ebola-Verdachtsfälle in Brand setzten. Sicherheitskräfte löschten das Feuer, bevor es auf andere Gebäude übergriff; am Tatort fanden Ermittler ein Messer, einen Fünf-Liter-Benzinkanister und Streichhölzer. Muhindo Wasivinywa, Koordinator des Menschenrechtsnetzwerks REDHO in Butembo, verurteilte den Vorfall: „REDHO bedauert den Widerstand, den einige Einzelpersonen gegenüber den Hilfsteams zeigen. Wir haben die Zerstörung von Gesundheitseinrichtungen miterlebt. Wir haben auch beobachtet, dass einige Familienmitglieder Kranke verstecken. Leider infizieren sie dadurch viele andere.“ Die Sicherheitsbehörden kündigten eine Untersuchung an.

UN-Sicherheitsrat: 9.788 Fälle sexueller Gewalt 2025 verifiziert

Am 8. Juli befasste sich der UN-Sicherheitsrat unter dem Vorsitz der DR Kongo – erstmals seit über 30 Jahren von einem kongolesischen Premierminister geleitet – mit konfliktbezogener sexueller Gewalt. Laut Jahresbericht der UN-Sonderbeauftragten Pramila Patten wurden 2025 weltweit 9.788 Fälle verifiziert – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Der Bericht listet 77 verantwortliche Parteien, überwiegend nichtstaatliche bewaffnete Gruppen; mehr als 65 Prozent stehen seit über fünf Jahren auf dieser Liste, ohne dass Konsequenzen folgten.

Mehrere Delegationen forderten einen systematischeren Einsatz gezielter Sanktionen. Die USA verwiesen auf ihre Sanktionen gegen drei Kommandeure der Rapid Support Forces im Sudan im Februar sowie gegen M23- und ADF-Kommandeure im Vormonat. Frankreich, Irland, Liberia, Griechenland, Portugal und Malta unterstützten die Forderung. Premierministerin Suminwa, die die Sitzung leitete, forderte Sanktionskomitees gegen Einzelpersonen, Gruppen oder Netzwerke, die solche Gewalt organisieren, finanzieren oder davon profitieren. China warnte vor einer Politisierung; Russland kritisierte die Methodik des Berichts.

UNJHRO: 37 Fälle in einem Monat – Nord-Kivu am stärksten betroffen

Das Gemeinsame Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen (UNJHRO) dokumentierte in seinem Bericht vom 8. Juli 37 Fälle konfliktbezogener sexueller Gewalt binnen eines Monats, mit 52 Opfern – darunter 36 Frauen und 16 Mädchen. Die Gewalt dient laut UNJHRO als Vergeltungsmittel während Militäroperationen und geht häufig mit Plünderungen, Entführungen oder erzwungenen Schwangerschaften einher; betroffen sind Frauen bei Feldarbeit, auf Märkten oder zu Hause. Nord-Kivu verzeichnet 60 Prozent der Opfer, gefolgt von Ituri und Süd-Kivu. Unter den Tätern: FARDC (15 Opfer), ausländische Streitkräfte (6), M23 (12 Opfer, meistgenannte bewaffnete Gruppe), gefolgt von ADF und Mai-Mai-Milizen.

Abholzungsmoratorium: Umweltministerin weist Aufhebungsgerüchte zurück

Fast 70 Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen, darunter Greenpeace, wandten sich in einem offenen Brief an Premierministerin Suminwa gegen eine mögliche Aufhebung des Moratoriums für neue industrielle Holzkonzessionen. Bonaventure Bondo von Greenpeace Afrika warnte, eine Aufhebung ohne wirksame Kontrollmechanismen würde einer industriellen Expansion mit unverhältnismäßigen Folgen Tür und Tor öffnen. Die Umweltministerin wies die Vorwürfe am 7. Juli auf einer Pressekonferenz zurück: „Man sollte von haltlosen Spekulationen absehen. Seit meinem Amtsantritt habe ich kein entsprechendes Dokument unterzeichnet. Seien Sie versichert, wir werden unsere Wälder erhalten, denn nur wenn sie intakt sind, erhalten wir die Einnahmen aus den Emissionsmärkten.“ Sie betonte, laufende Abholzungsarbeiten beruhten auf Verträgen aus der Zeit vor ihrer Amtszeit, und erklärte, mehrere neue Abholzungsprojekte bereits abgelehnt zu haben.

(Quelle: RFI, Radio Okapi, UN-Sonderbeauftragte für sexuelle Gewalt in Konflikten, UNJHRO)