09.07.2026

C64 macht Dialog von Verfassungsverzicht abhängig, HRW belastet „Force du Progrès“ – während Ebola über 580 Tote in Ituri fordert und UNICEF 250 Genesungen feiert

KINSHASA/BUNIA/GENF – Die Oppositionskoalition C64 erklärte am 9. Juli in Kinshasa, sie werde sich an keinem Dialog beteiligen, solange Präsident Félix Tshisekedi nicht öffentlich von seinem Verfassungsreformprojekt abrücke. Am selben Tag prangerte Human Rights Watch in einem Bericht die Rolle der „Force du Progrès“ bei der Repression vom 12. Juni an, während UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk vor eskalierender Gewalt in Süd-Kivu warnte. Parallel meldet Ituri über 580 Ebola-Tote bei mehr als 1.700 bestätigten Fällen – doch UNICEF feiert zugleich einen Hoffnungsschimmer: mehr als 250 Genesene, darunter Säuglinge.

C64: Kein Dialog ohne Verfassungsverzicht

Die Koalition erklärte, sie werde ihre zivilgesellschaftlichen Aktionen nicht aussetzen und sich an keinem glaubwürdigen politischen Dialog beteiligen, solange der Präsident nicht öffentlich und endgültig von seinem geplanten Verfassungszusatz abrücke. Jean-Marc Kabund formulierte die Position: „Der Krieg ist nicht die Ursache der Krise im Kongo, sondern ihre tragischste Folge. Die Krise ist systembedingt: Sie betrifft das Militär, die Sicherheit, die Regierungsführung, die institutionelle Legitimität und die Verfassung.“

Bei einem Treffen mit dem burundischen Präsidenten und AU-Vorsitzenden Évariste Ndayishimiye hatte dieser die kongolesischen Behörden zu politischem Dialog und nationalem Zusammenhalt aufgerufen und sich nach der Dialogbereitschaft der C64 erkundigt. Die Koalition merkte an, frühere Initiativen – Nairobi, Luanda, Doha, Washington – seien gescheitert, weil sie sich primär mit militärischen und diplomatischen Aspekten befasst hätten, ohne die politischen und institutionellen Ursachen anzugehen.

Bedingungen für Verhandlungen: Freilassung politischer Gefangener

Bei einer Pressekonferenz präzisierte die C64 ihre Vorbedingungen für einen inklusiven Dialog: die Freilassung politischer Gefangener, die Einstellung politisch motivierter Strafverfolgungen und die Achtung der Bürgerrechte. Kabund verlas: „Ein Dialog kann weder unter Repression noch durch die ständige Verletzung der Verfassung geführt werden. Präsident Évariste Ndayishimiye hat diese Position anerkannt und der C64-Delegation versichert, sie Herrn Félix Tshisekedi im Rahmen seiner Vermittlungsbemühungen zu übermitteln.“ Er betonte, die Koalition habe mit der Annahme der Einladung weder ihre Überzeugungen noch ihren Kampf verraten.

Um den Druck aufrechtzuerhalten, kündigte die C64 einen großen Marsch zum Nationalpalast für den 22. Juli an – mit dem Ziel, ein klares „Nein“ zu dem zu signalisieren, was sie als Verfassungsputsch bezeichnet. Die Koalition erklärte sich zugleich zu einer Vermittlung unter Schirmherrschaft der Afrikanischen Union bereit, betonte aber, sie werde die Souveränität des kongolesischen Volkes nicht gefährden.

HRW: „Force du Progrès“ von UDPS-Funktionären angeworben

Human Rights Watch veröffentlichte am 9. Juli einen Bericht, der den kongolesischen Sicherheitskräften unverhältnismäßige Gewalt bei der Auflösung der Demonstration vom 12. Juni vorwirft – Tränengas und Schlagstöcke gegen Mitglieder der C64, die vor dem Volkspalast einen Sitzstreik abhalten wollten. Die Organisation dokumentiert zudem, dass Mitglieder der „Force du Progrès“ Parteizentralen angriffen und anschließend Demonstrierende attackierten, ohne dass die Sicherheitskräfte eingriffen.

HRW befragte 38 Personen, darunter 15 verletzte C64-Mitglieder und sieben Mitglieder der Force du Progrès. Mehrere Letztere gaben laut HRW an, von Funktionären der Regierungspartei UDPS angeworben worden zu sein – teils gegen Geldversprechen. Verletzt wurden unter anderem Martin Fayulu, Delly Sesanga, Jean-Marc Kabund und Ados Ndombasi.

Die kongolesischen Behörden verurteilten die Gewalt; eine gerichtliche Untersuchung wurde bereits am 19. Juni angekündigt. Die UDPS selbst reichte am 22. Juni Beschwerde gegen Personen ein, die den Namen der Bewegung missbraucht haben sollen. Generalsekretär Augustin Kabuya beteuerte gegenüber HRW, die Partei habe niemals jemanden zu solchen Taten entsandt, und sprach von einer „gefälschten Force of Progress“. HRW fordert eine unabhängige Untersuchung zur Ermittlung der Verantwortlichen, unabhängig von deren politischer Zugehörigkeit.

Türk warnt vor Eskalation in Süd-Kivu

UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk äußerte sich am 9. Juli tief besorgt über die Lage im Osten des Landes. Die Kämpfe zwischen FARDC und der von Ruanda unterstützten M23 hätten sich in den Gebieten Fizi und Mwenga in den vergangenen zwei Wochen verschärft, mit dem Einsatz bewaffneter Drohnen, schwerer Artillerie und Sprengwaffen in bewohnten Gebieten. „Es ist zutiefst besorgniserregend, dass trotz der im Rahmen der laufenden Friedensprozesse erzielten Vereinbarungen die Kämpfe im Osten der Demokratischen Republik Kongo unvermindert weitergehen und Zivilisten töten, verletzen und vertreiben“, erklärte er.

Besonders besorgt zeigte sich Türk über die gewaltsamen Auseinandersetzungen vom 4. und 5. Juli um das Dorf Mulima im Fizi-Gebiet: „Ich appelliere an die kongolesischen Streitkräfte und die M23, jegliche weitere Gewalt unverzüglich einzustellen.“ Er forderte Ruanda auf, seine Unterstützung für die M23 einzustellen und seine Truppen abzuziehen, und rief die kongolesischen Behörden auf, die Demobilisierung der FDLR-Kämpfer fortzusetzen.

Ituri: Politische Führung mobilisiert sich gegen Ebola

Seit dem 8. Juli nehmen die politischen und administrativen Behörden Ituris an einer von der Provinzregierung mit Unterstützung des Africa CDC organisierten Schulung teil. Ziel: Bewusstsein stärken, Fehlinformationen entgegenwirken, Verhaltensänderungen fördern. Teilnehmer sind Haushaltsvorstände, Straßen- und Nachbarschaftsvorsteher, Bürgermeister und Gebietsverwalter. Militärgouverneur General Gaby Ngoy Kasongo mahnte: „Ich erwarte von Ihnen allen vollen Einsatz. Jede Nachbarschaft muss informiert werden. Jede Familie muss aufgeklärt werden.“ Die Epidemie hat in Ituri inzwischen über 580 Todesopfer bei mehr als 1.700 bestätigten Fällen gefordert.

Djugu: Leichen liegen drei bis vier Tage in Häusern

In mehreren Ortschaften im Gebiet Djugu schlugen Gemeindevorsteher am 8. Juli Alarm: Leichen von Ebola-Opfern warteten weiterhin in Häusern auf die Bergung durch Einsatzteams. Freddy Lotsima, Vorsitzender der Zivilgesellschaft von Lopa, gibt an, dass in der Stadt und Umgebung im vergangenen Monat mehr als 180 Menschen gestorben sind – eine Zahl, die offiziell nicht bestätigt wurde. Er führt die Verzögerungen auf fehlende Fahrzeuge, Treibstoff und Einsatzmittel zurück: „Das gravierendste Problem ist, dass Leichen aufgrund fehlender Ressourcen drei bis vier Tage lang in den Häusern eingeschlossen bleiben, bevor die Einsatzteams eintreffen. Wir fordern die Regierung dringend auf, die Teams unverzüglich mit Fahrzeugen und Treibstoff auszustatten, damit sie innerhalb von 24 Stunden nach jedem Todesfall eingreifen können.“

UNICEF: „Ein drei Monate altes Baby, das über das ganze Gesicht strahlte.“

Trotz der ernsten Lage gibt es ermutigende Nachrichten. Gilles Fagninou, UNICEF-Regionaldirektor für West- und Zentralafrika, besuchte am 8. Juli die Behandlungszentren in Nyakunde und Bunia, wo mehr als 250 Menschen – darunter Kleinkinder – als genesen gelten. Er berichtete gegenüber Radio Okapi: „Ich traf ein drei Monate altes Baby, das genesen war und über das ganze Gesicht strahlte. Wir sahen auch ein neun Monate altes Kind, das sich erholt hat und nun prächtig gedeiht und spielt. Es gibt heute über 200, 250 Genesungen, und darauf können wir stolz sein.“

Fagninou vermied dennoch jeglichen Triumphalismus: „Wir haben den Eindruck, dass sich die Epidemie etwas schneller ausbreitet als die koordinierten Gegenmaßnahmen. Wir sind uns dessen bewusst und führen Gespräche, um sicherzustellen, dass die Maßnahmen weiterhin beschleunigt werden.“

Impfprogramm EPI: Positiver Trend im ersten Halbjahr

Bei der Halbzeitüberprüfung vom 8. bis 10. Juli in Kinshasa präsentierte Dr. Audrey Mulumba, Direktor des Erweiterten Programms für Immunisierung (EPI), eine insgesamt positive Bilanz für die erste Jahreshälfte 2026 – trotz Finanzierungsverzögerungen, die maßgeblich die Impfallianz Gavi betreffen. „Derzeit ist der Trend positiv. Ich habe das Wort ‚Trend‘ mehrmals verwendet, weil wir uns mitten im Jahr befinden“, erklärte Mulumba und appellierte an Eltern, den Impfplan ihrer Kinder einzuhalten: „Impfungen retten unsere Kinder. Sie geben ihnen die Chance, zu leben und unser Alter zu erreichen.“

(Quelle: Radio Okapi, RFI, Actualité.cd, Human Rights Watch, UN-Menschenrechtsbüro)