Ebola-Tote übersteigen 500, fast eine Million droht in extreme Armut – während C64 Marsch auf 22. Juli verschiebt und Bujumbura vermittelt
KINSHASA/ITURI/BUJUMBURA – Die kongolesischen Behörden meldeten am 7. Juli, dass die Zahl der Ebola-Todesopfer die Marke von 500 überschritten hat: 1.561 bestätigte Fälle, 506 Todesfälle. Das UNDP warnt, die Epidemie könnte fast eine Million Menschen zusätzlich in extreme Armut stürzen. Parallel verschob die Oppositionskoalition C64 ihren geplanten Marsch vom 8. auf den 22. Juli – nach Konsultationen mit dem burundischen Präsidenten Évariste Ndayishimiye in Bujumbura, der als amtierender AU-Vorsitzender zwischen Kinshasa und der Opposition zu vermitteln versucht.
Über 500 Tote: Nizi und Nia-Nia neu betroffen
Die Epidemie breitet sich vor allem in Ituri aus, wo 24 von 36 Gesundheitszonen betroffen sind. Neu betroffene Gebiete sind Nia-Nia an der Grenze zu Tshopo, Lita, Drodro im Gebiet Djugu und vor allem Nizi mit seiner hohen Bevölkerungsdichte. Dieudonné Lossa von der Zivilgesellschaft erklärt die Brisanz: „In der Gesundheitszone Nizi, die etwa 25 Kilometer von der Stadt Bunia entfernt liegt, befinden sich 34 Unterkünfte für Binnenvertriebene. Dort wird auch Gold abgebaut, was viele Menschen anzieht. Leider wurden in Nizi erst spät Maßnahmen ergriffen.“
In Nord-Kivu sind elf Gesundheitszonen betroffen; seit dem vergangenen Wochenende ist in Beni ein zweites Behandlungszentrum in Betrieb. In Süd-Kivu bleibt nur eine Zone betroffen – Miti Murhesa mit drei Fällen und einem Todesfall –, dort wurden seit Ende Mai keine neuen Fälle mehr festgestellt. Immerhin: 253 Patienten gelten inzwischen als genesen.
Niania: Zwei Wochen Verzögerung durch fehlenden Transport
In der Gesundheitszone Niania im Gebiet Mambasa bestätigte Dr. Joseph Pemanakue am 6. Juli 17 neue Ebola-Fälle. Die Proben – entnommen seit dem 20. Juni – erreichten das Labor in Bunia aufgrund fehlender Transportmöglichkeiten erst zwei Wochen später. Diese Verzögerung verschärft die epidemiologische Lage in einer Region, in der Bergbau die Haupteinnahmequelle ist. Pemanakue appelliert an die Bevölkerung, bei Fieber, Kopfschmerzen, Durchfall oder Erbrechen umgehend einen Arzt aufzusuchen.
Wirtschaft: „Am Monatsende bleiben uns nur noch 400 Dollar“
Die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend. Aisha Kalumba, Ladenbesitzerin in Goma, kämpft seit der Grenzschließung zu Uganda Ende Mai ums Überleben: „Wir haben so viele Verluste. Erstens verkaufen wir nichts mehr, zweitens kommt keine Ware mehr rein, und wir sitzen selbst fest. Seit Beginn der Krise habe ich viel Geld verloren. Am Ende des Monats konnte ich 2.500 oder 3.000 Dollar Gewinn machen, jetzt bleiben uns am Monatsende nur noch 400 Dollar übrig.“
Christophe Lonema Mukwa, Präsident des Unternehmerverbandes in Ituri, bestätigt: „Es gibt keine Flüge, die Grenze zu Uganda ist geschlossen. Ohne Reisen ist Handel unmöglich. Auch bei bestimmten Lebensmitteln herrscht hier in Ituri Mangel.“
Das UNDP warnt vor einer Krise, die fast eine Million Menschen zusätzlich in extreme Armut stürzen könnte. Im optimistischen Szenario drohen ein BIP-Rückgang um eine Milliarde US-Dollar und der Verlust von 55.000 Arbeitsplätzen; im pessimistischen Szenario werden die kontinentalen Verluste auf 3,6 Milliarden US-Dollar geschätzt. Damien Mama, UNDP-Repräsentant in der DR Kongo, erläutert die Zwangslage der Regierung: „Wenn das BIP schrumpft und der Haushaltsspielraum unter Druck gerät, ist die Regierung gezwungen, Investitionen neu zu priorisieren – auf Kosten anderer wichtiger Sektoren: Bildung, Wasser und Sanitärversorgung, Gesundheit.“ Das UNDP rät zur Öffnung der Grenzen unter strengen Gesundheitskontrollen und zur Stärkung der Unterstützung für die gefährdetsten Bevölkerungsgruppen.
Bujumbura: Getrennte Audienzen für Opposition und Kirchen
Am 6. Juli empfing Ndayishimiye in Bujumbura nacheinander drei kongolesische Delegationen: zunächst Erzbischof Ejiba Yamapia (Erweckungskirchen), dann Vertreter der ECC und CENCO, schließlich die C64-Koalition. Jedes Gespräch dauerte laut Teilnehmern rund zwei Stunden, gefolgt von einer gemeinsamen Sitzung und einem Gruppenfoto. Ein C64-Vertreter beschrieb die Atmosphäre gegenüber Actualite.cd als „gut gelaufen“.
Die religiösen Positionen zur Verfassungsrevision blieben gegensätzlich: Die Erweckungskirche unterstützt die Reform, während CENCO und ECC ihre Ablehnung bekräftigten und auf ihren eigenen, durch angolanische Vermittlung erarbeiteten Fahrplan für einen nationalen Dialog verwiesen.
Opposition bleibt misstrauisch – Forderung nach Freilassungen
Die Opposition, insbesondere im Lager von Moïse Katumbi, äußerte laut mehreren Teilnehmern weiterhin Zweifel an der Aufrichtigkeit Tshisekedis und forderte konkrete Garantien vor jedem Dialogprozess: die Freilassung politischer Gefangener, die Aufhebung politisch motivierter Verurteilungen und das Ende der Passbeschränkungen für Oppositionelle. Sie besteht darauf, das Verfassungsrevisionsprojekt aufzugeben, solange sich das Land im Kriegszustand befinde, und die Verfassung von 2006 als alleinige legitime Grundlage beizubehalten. Ndayishimiye habe versprochen, diese Punkte mit Tshisekedi zu besprechen, und dabei seine Ablehnung der M23 und der Position Ruandas betont.
Marsch auf 22. Juli verschoben
Die ursprünglich für den 8. Juli geplante Demonstration der C64 wurde auf Mittwoch, den 22. Juli, verschoben – mit Kundgebungen in Kinshasa und anderen Städten und einem Höhepunkt vor dem Palais de la Nation. Die Koalition begründete die Verschiebung mit der Einladung Ndayishimiyes und kündigte an, das Treffen zu nutzen, um die Anliegen des kongolesischen Volkes „klar und entschieden“ darzulegen. Am 4. Juli hatten die fünf Vorsitzenden der Oppositionsparteien (A.Ch, ECiDé, Ensemble, LGD, Envol) den Gouverneur von Kinshasa offiziell über die geplante friedliche Demonstration informiert.
Walker: Washington-Abkommen „in einer Sackgasse“.
Ein Jahr nach Unterzeichnung des Washingtoner Abkommens zog Joshua Z. Walker, Associate Fellow bei Chatham House und Senior Fellow an der NYU, in einer von Journalist Stanis Bujakera Tshiamala organisierten Diskussion eine nüchterne Bilanz. Er bezeichnete die Unterzeichnung selbst als „einen Erfolg, wenn auch unvollkommen“, stellte aber fest, dass der Friedensprozess insgesamt in einer Sackgasse stecke – sichtbar am Mangel an Fortschritten in Doha und Montreux sowie an der schwachen Umsetzung, insbesondere bei Operationen gegen die FDLR und dem Verbleib ruandischer Truppen im Osten. Washington und Doha hätten ihren anfänglichen Optimismus nach unten korrigiert, während der größte diplomatische Druck weiterhin auf Kigali statt auf Kinshasa laste.
(Quelle: RFI, Radio Okapi, Actualité.cd, UNDP)