26.01.2026

Ein Jahr M23-Herrschaft in Goma: Bericht aus der besetzten Stadt

Die taz veröffentlicht einen eindringlichen Augenzeugenbericht über das Leben in Goma ein Jahr nach der Eroberung durch die M23-Rebellen. Der anonyme kongolesische Autor schildert eine Stadt, die äußerlich zur Normalität zurückgefunden hat – doch unter der Oberfläche herrschen Angst und erzwungene Loyalität.

Normalisierung der Militarisierung

Seit der Machtübernahme im Januar 2025 prägen drei Uniformtypen das Stadtbild: M23-Soldaten in grüner Tarnuniform auf erbeuteten Fahrzeugen, Polizisten in Blau – viele davon frühere kongolesische Beamte nach „Anpassung“ – sowie bewaffnete Verkehrspolizisten. Die M23 hat sämtliche Autoritäten ausgetauscht, vom Provinzgouverneur bis zu den Dorfchefs.

Der neue Gouverneur von Nord-Kivu ist ein Hutu aus den M23-Reihen, sein Stellvertreter ein Tutsi aus der kanadischen Diaspora – eine deutliche Abkehr von der bisherigen Nande-Dominanz seit 2006.

Isolation und wirtschaftliche Not

Die Trennung von Regierungsgebieten belastet die Bevölkerung massiv. Der geschlossene Flughafen verhindert Reisen, Staatsangestellte müssen 350 gefährliche Kilometer nach Beni fahren, um ihre Gehälter abzuholen. Das kongolesische Bankensystem operiert nicht im Rebellengebiet.

Lebensmittelpreise blieben stabil, doch Importwaren sind knapp und die Kaufkraft ist eingebrochen. Die Steuerlast für Händler ist hoch, während die Kundschaft fehlt.

Sicherheit durch Abschreckung

In den ersten Wochen erschossen überforderte Rebellen mutmaßliche Kriminelle ohne Gerichtsverfahren. Diese Gewalt prägt bis heute die „Ordnung auf Grundlage der Abschreckung mit der Waffe“, wie der Autor schreibt.

Straßenüberfälle durch Wazalendo-Milizen und FDLR-Rebellen, die zunächst verschwunden waren, nehmen seit Monaten wieder zu – ein Zeichen für die brüchige Stabilität.

Erzwungene Loyalität statt Zustimmung

Der Bericht macht deutlich: „Nur sehr wenige Menschen stehen wirklich hinter diesem Projekt. Aber fast niemand traut sich, das zu sagen.“ Öffentlicher Widerspruch ist riskant. Menschen nehmen Posten an, nicht aus Überzeugung, sondern „um zu überleben, um ihre Familien zu ernähren“.“

Das Fazit des Autors ist ernüchternd: „Goma ist nicht einfach gefallen. Es fällt immer weiter – in die Gewöhnung, die Erschöpfung, die Gleichgültigkeit.“


(Quelle: taz)

Zum Weiterlesen: „Alles ist ruhig, aber nichts ist normal“ – Vollständiger Augenzeugenbericht in der taz