02.02.2026

Über 200 Tote bei Erdrutsch in Coltanmine Rubaya

Schwere Regenfälle lösen Katastrophe in größter kongolesischer Coltan-Mine aus

Bei einem verheerenden Erdrutsch in der Coltan-Mine Rubaya sind vergangene Woche über 200 Menschen ums Leben gekommen. Schwere Regenfälle hatten in der Bergbauregion rund 80 Kilometer nordwestlich von Goma die Hänge aufgeweicht und Teile der Mine unter Schlammmassen begraben.

Frauen und Kinder unter den Opfern

Mehr als 20 Verletzte konnten geborgen werden, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Der von der M23 eingesetzte Gouverneur Erasto Bahati besuchte das Katastrophengebiet und ordnete den Transport der Verletzten ins Zentralkrankenhaus nach Goma an. Als Konsequenz verfügte er ein Arbeitsverbot für Frauen und Kinder in den Minen.

Viele Kinder verdienen sich in der dicht besiedelten Bergregion ihre Schulgebühren mit Arbeit in den engen Stollen. Frauen durchsieben in Bächen das Wasser nach ausgewaschenen Coltansteinchen.

Rubaya: Kongos größte Coltan-Mine

Rubaya produziert jährlich etwa 1.000 Tonnen Coltan – knapp die Hälfte der gesamten kongolesischen Förderung. Das Mineral Tantal, das aus Coltan gewonnen wird, ist für Akkubatterien in Handys und Computern unerlässlich. Etwa 15 Prozent des weltweit verfügbaren Tantals stammen aus Rubaya.

Seit die M23-Rebellen das Gebiet im April 2023 eroberten, erfolgt die Förderung fast ausschließlich in mühsamer Handarbeit. Über 3000 Menschen arbeiten dort täglich mit Spitzhacke und Schaufel. Der industrielle Abbau durch die Firma SMB wurde nach der Übernahme eingestellt.

Internationale Dimension

Seit der M23-Kontrolle gilt alles Coltan aus Rubaya auf dem Weltmarkt als illegal. Nach UN-Angaben wird das Erz über die Grenze nach Ruanda gebracht, dort mit ruandischem Coltan vermischt und als ruandische Produktion exportiert.

Die US-Regierung verhängte im August 2025 Sanktionen wegen illegaler Förderung in Rubaya, allerdings nicht gegen die M23 selbst. Kongos Regierung nennt die Förderung „wild und illegal“ und bezeichnet das Grubenunglück als „direkte Konsequenz“ der Ausbeutung durch Ruanda und die Rebellen.

Arbeit geht weiter

Trotz der Katastrophe setzt die M23 die Förderung in nicht betroffenen Stollen fort. Gouverneurssprecher Kamber Lumumba bestätigte, dass M23-Kämpfer das Minengebiet weiterhin sichern. Gouverneur Bahati versprach der Bevölkerung, sich künftig für eine Rückkehr zum industriellen Abbau einzusetzen.

Immerhin sei unter M23-Herrschaft die marode Feldstraße von Rubaya nach Goma geteert worden, so Lumumba. Die Strecke könne nun in unter vier Stunden zurückgelegt werden – was auch bei der Überführung der Verletzten ins Hospital half.


(Quelle: taz)

Zum Weiterlesen: Ausführlicher Bericht von Simone Schlindwein in der taz