Ebola-Überlebende werden zu Botschaftern, Rotkreuzkräfte bei Beerdigung verletzt, Flughafen Bunia wieder offen – Kinshasa am Vorabend des Generalstreiks
BUNIA/KINSHASA/LUALABA – Während die Genesenen in Ituri zu öffentlichen Botschaftern gegen das Misstrauen werden sollen, zeigt ein Vorfall auf dem Friedhof Nyamurongo in Bunia, wie fragil das Vertrauen noch ist: Vier Rotkreuzmitarbeiter wurden am 1. Juni bei einer Ebola-Beerdigung schwer verletzt, nachdem ein virales Social-Media-Video behauptet hatte, der Sarg sei leer. Am 1. Juni wurde gleichzeitig der Flughafen Bunia nach mehrwöchiger Schließung wiedereröffnet. In Kinshasa stehen am 3. Juni Generalstreik und Gegenmarsch gegenüber – die Menschenrechtskommission warnt vor Eskalation. Und in Lualaba streiken seit dem 1. Juni die Arbeiter von Tenke Fungurume Mining.
Genesene als Botschafter: Die Strategie gegen das Misstrauen
Nach der Entlassung von fünf Genesenen aus dem Evangelischen Medizinischen Zentrum in Bunia am 31. Mai – alle aus dem Gesundheitsbereich – appellieren zivilgesellschaftliche und religiöse Organisationen in Ituri an Behörden und Partner, das Gesundheitspersonal besser zu unterstützen. Dieudonné Lossa, Koordinator der Zivilgesellschaft in Ituri, kommentierte: „Dies ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die Krankheit, auch wenn die Stichprobe noch klein ist. Wir möchten außerdem auf die unzureichende logistische Unterstützung der Einsatzkräfte in Ituri hinweisen.“ Die Zivilgesellschaft begrüßt zwar die Fortschritte, warnt aber, dass fehlende logistische Ressourcen die Wirksamkeit der Maßnahmen einschränken und die Ausbreitung des Virus in bestimmten Gebieten begünstigen.
Mehrere Aktivisten und gesellschaftspolitische Akteure sprechen sich dafür aus, die Genesenen als Aufklärungsbotschafter in ihren Gemeinden einzusetzen – in der Überzeugung, dass ihre persönlichen Berichte Ängste abbauen, Fehlinformationen bekämpfen und dazu beitragen können, dass Betroffene früher medizinische Hilfe suchen. Pastor Ignace Bingi, ein religiöser Führer in Bunia, betonte, die erzielten Genesungen zeigten, dass die Gesundheitseinrichtungen über die notwendigen Kompetenzen verfügen, um Leben zu retten.
Einer der Genesenen, Krankenpfleger Étienne Ezo, der aus dem Behandlungszentrum im Nyakunde-Krankenhaus entlassen wurde, kündigte an, seinen Dienst am Krankenbett wieder aufzunehmen. „Heute bin ich überglücklich“, sagte Mika Makati, eine weitere Überlebende. „Viele von uns litten an derselben Krankheit, einige starben. Ich habe mein Zertifikat erhalten und danke Gott.“ Tedros Ghebreyesus hatte bei seinem Besuch an die Überlebenden gerichtet: „Ihre Geschichte zeigt, dass diese Epidemie gestoppt werden kann. Wenn Sie Symptome verspüren, suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe auf. Wie diese Überlebenden können auch Sie genesen.“
Presseschau: Das Protokoll der Hoffnung
Le Journal de Kinshasa schilderte die Atmosphäre bei der Entlassung der Genesenen so: In der Luft des Evangelischen Medizinischen Zentrums sei es leichter, wärmer, fast elektrisierend gewesen. Vier Männer und eine Frau traten mit einem Lächeln im Gesicht und stolzen Augen vor die Journalisten. „Sie sind keine Patienten mehr. Sie sind Überlebende.“ Medizinischer Direktor Dr. Calvin Ambitapio erklärte bewegt: „Wir freuen uns sehr, dass eine Krankheit, für die es derzeit weder eine spezifische Behandlung noch einen Impfstoff gibt, durch symptomatische Therapie besiegt werden kann.“ Das Protokoll, das Le Journal de Kinshasa beschreibt: Malariabehandlung, angemessene Antibiotikatherapie, tägliche Überwachung und wiederholte Tests. Kein Wundermittel. Fürsorge. Aufmerksamkeit. Kontinuierliche Behandlung.
Afrik.com betont, dass diese Genesungen über den medizinischen Bereich hinausgehen: Sie widerlegen die in einigen Gemeinden verbreitete Ansicht, der Besuch eines Behandlungszentrums komme einem Todesurteil gleich. „In diesem Kampf ist Vertrauen unerlässlich. Ohne die Unterstützung der Bevölkerung können selbst die wirksamsten medizinischen Maßnahmen auf Angst, Misstrauen und Behandlungsverweigerung stoßen.“
Der humanitäre Epidemiologe Didier Cannet schreibt in Le Monde Afrique, der Osten der DR Kongo brauche nicht nur Nothilfe, sondern ein nachhaltiges Engagement: „In vielen Gebieten des östlichen Kongo ist der Staat nicht mehr in der Lage, seine grundlegenden Aufgaben zu erfüllen. Die Gesundheitssysteme überleben dank internationaler NGOs und externer Finanzierung. Seit mehreren Monaten haben die Kürzungen der Entwicklungshilfe, insbesondere der USAID, ein System weiter geschwächt, das ohnehin am Rande des Zusammenbruchs steht.“ Jeune Afrique fügt hinzu, die Auflösung der USAID durch die Trump-Regierung sei eine „Fehlkalkulation“: „Die nächste Pandemie wird wahrscheinlich weitaus mehr kosten als die Milliarden, die heute durch internationale Hilfe eingespart werden.“
Beerdigung in Bunia: Vier Rotkreuzkräfte schwer verletzt
Am 1. Juni, gegen 15 Uhr, eskalierte auf dem Friedhof Nyamurongo im Stadtteil Simbilyabo in Bunia eine Menschenmenge bei der Beerdigung eines an Ebola Verstorbenen zu körperlicher Gewalt. Hunderte Menschen hatten sich versammelt. Vor der Beerdigung forderten Kollegen des Verstorbenen und Jugendliche aus der Gemeinde, den Sarg zu öffnen – sie wollten sich vergewissern, dass der Leichnam tatsächlich darin lag. Als die Rotkreuzmitarbeiter sich weigerten, wurden sie brutal angegriffen. Vier Freiwillige wurden schwer verletzt. Einigen Personen gelang es schließlich, den Sarg zu öffnen und den Leichnam freizulegen, was das Ansteckungsrisiko in der Gemeinde erhöhte. Laut Quellen befindet sich mindestens eine Person, die den Leichnam berührt hat, seitdem in Quarantäne.
Auslöser der Gewalt war ein virales Social-Media-Video, das behauptete, der Sarg sei leer gewesen. Provinzabgeordneter Jean-Pierre Bikilisende betonte: „Lasst uns das medizinische Personal respektieren, denn auch innerhalb der medizinischen Gemeinschaft gibt es Opfer. Ebola betrifft uns alle.“
CORACOPI warnt vor Desinformations-Flut
Das Ituri Community Radio Collective (CORACOPI) veröffentlichte am 2. Juni einen Appell an Medien, Journalisten und Meinungsbildner, keine Falschinformationen über die Epidemie zu verbreiten. Koordinator Freddy Lorima verurteilte die Flut an Videos und Bildern in sozialen Medien, die das Misstrauen in der Bevölkerung schüren. „Viele Menschen beginnen, die Existenz von Ebola zu bezweifeln. Doch diese Krankheit ist real und breitet sich in unserer Gemeinde rasant aus.“ CORACOPI fordert die Justizbehörden auf, Verantwortliche für Desinformation strafrechtlich zu verfolgen, und appelliert an Nutzer sozialer Medien, keine unbestätigten Inhalte zu teilen.
Flughafen Bunia wieder offen
Seit Montagabend, dem 1. Juni, ist der Flughafen Bunia (Murongo) wieder in Betrieb. Das Ministerium für Verkehr erklärte, die Voraussetzungen für eine schrittweise und sichere Wiederaufnahme des Flugverkehrs seien gegeben, nachdem das Ebola-Überwachungssystem überprüft wurde. Alle Reisenden werden vor dem Einsteigen und nach der Landung einer Temperaturkontrolle unterzogen. Strenge Gesundheitsprotokolle gelten für Passagiere, Besatzung und Flughafenpersonal.
Kinshasa vor dem Generalstreik: CNDH warnt vor Eskalation
Am 2. Juni veröffentlichte die Nationale Menschenrechtskommission (CNDH) eine Erklärung, in der ihr Präsident Paul Nsapu die zunehmenden Drohungen, Hassreden, Gewalttaten und Vandalismus im Vorfeld der für den 3. Juni geplanten Demonstrationen verurteilte. Die Opposition, vereint im Bündnis C64, hatte zu einer „Geisterstadt“-Operation aufgerufen; die Präsidentschaftsmehrheit hatte einen Gegenmarsch für denselben Tag angekündigt. Die CNDH bekräftigte, dass Versammlungsfreiheit gewährleistet ist, betonte aber zugleich: „Kein Bürger oder keine Bürgerin darf gegen seinen/ihren Willen zur Teilnahme an einer öffentlichen Demonstration oder einem Generalstreik gezwungen werden.“
Präsident des Wirtschafts- und Sozialrats Jean-Pierre Kiwakana hatte am 1. Juni zur Mäßigung aufgerufen und die Verfassungsdebatte in einen breiteren Kontext gestellt: Das Land stehe vor gleichzeitigen Herausforderungen in Gesundheit, Sicherheit, Politik und Wirtschaft. „Diese existenziellen Notlagen erlauben uns nicht, uns Torheit und Gewalt hinzugeben“, betonte er und warnte, die internationale Isolation der DR Kongo – sichtbar an den Einreisebeschränkungen der USA und Kanadas – könne sich bei weiterer Verschlechterung der Lage ausweiten.
TFM-Streik in Lualaba: Kobalt- und Kupferproduktion beeinträchtigt
Die Beschäftigten von Tenke Fungurume Mining (TFM), einem der größten Kobalt- und Kupferproduzenten der DR Kongo, streiken seit dem 1. Juni. Am 2. Juni ging der Ausstand in den zweiten Tag. Auslöser ist die Ablehnung eines neuen Tarifvertrags, den die Gewerkschaft nach Ansicht der Arbeiter ohne vorherige Konsultation mit der Unternehmensleitung unterzeichnet hat. Die Forderungen umfassen einen Wohngeldzuschuss von 30 % des Nettogehalts, 85 US-Dollar Schulgeld pro Kind, eine verbesserte medizinische Versorgung und eine Abfindung von 1.500 US-Dollar. Mehrere Maschinen stehen still, Zufahrtsstraßen wurden blockiert. Weder Gewerkschaft noch Unternehmensleitung haben sich bislang öffentlich geäußert.
(Quelle: Radio Okapi, RFI, Actualité.cd, Le Journal de Kinshasa, Afrik.com, Le Monde Afrique, Jeune Afrique, La Tempête des Tropiques)