13.06.2026

Kinshasa-Presseschau: Kabila ruft zum Widerstand auf, ECC vermittelt, UNDP-Bericht zeigt 68 Prozent Armut

Die kongolesischen Medien dieser Woche kreisen vor allem um einen Namen: Joseph Kabila. Der ehemalige Präsident hat sich mit einer scharfen Botschaft an die Bevölkerung gewandt – und damit gleich mehrere Zeitungen auf die Titelseite gebracht.

Kabila warnt vor „Sudanesisierung“ und ruft zum Widerstand auf

Congo Nouveau titelt: „Angesichts der geplanten Verfassungsänderung ruft Joseph Kabila dazu auf, Tshisekedis Macht zu brechen.“ In seiner an das kongolesische Volk gerichteten Botschaft verurteilt der ehemalige Präsident den von ihm vermuteten Versuch der Regierung, durch eine Verfassungsänderung ihre Kontrolle über die Institutionen zu festigen. Kabila warnt vor einer „Sudanesisierung“ des Landes und beruft sich auf Artikel 64 der Verfassung, um die Bürger zum Schutz der verfassungsmäßigen Ordnung aufzurufen. Seine Forderung: Jede Familie, jede Nachbarschaft, jedes Dorf solle zu einer Zelle des bürgerlichen Widerstands und der Demokratieverteidigung werden.

Le Potentiel greift den Frontalangriff mit ähnlichem Ton auf: „Referendumsgesetz: Kabila prangert die Tendenz zu unbegrenzter Macht an.“ Für Kabila stellt die Verabschiedung des Referendumsgesetzes durch die Nationalversammlung einen Schritt zur Machtkonsolidierung ohne glaubwürdige Alternative dar.

ECC: Reform ja, aber nur nach Dialog

Inmitten dieser Polarisierung versucht die protestantische Kirche, als Vermittlerin aufzutreten. Ouragan verkündet: „Verfassung: Die protestantische Kirche befürwortet die Reform, aber nur nach einem Dialog.“ Die Kirche Christi im Kongo (ECC), die in Kinshasa zu ihrer 66. außerordentlichen Sitzung zusammengetreten ist, akzeptiert den Grundsatz der Verfassungsreform – allerdings nur, sofern diese in einem inklusiven und friedlichen nationalen Rahmen stattfindet. Die ECC ruft zum Dialog zwischen den politischen Akteuren auf und bekräftigt, dass die Verfassung vor allem ein Pakt für das kollektive Überleben bleibt. In der Opposition stößt diese Position allerdings auf Bedenken: Manche sehen darin eine gefährliche Unklarheit.

Forum des As: Das Rätsel um die Auftraggeber bleibt

Ein weiteres viel diskutiertes Thema ist der Fall der UN-Experten Zaida Catalan und Michael Sharp. Forum des As titelt: „Militärjustiz erhöht Strafen im Berufungsverfahren, doch das Rätsel um die Auftraggeber der Morde bleibt bestehen.“ Das Oberste Militärgericht hat hohe Strafen gegen mehrere Angeklagte verhängt. Doch fast zehn Jahre nach den Ereignissen, so die Zeitung, sind die wahren Drahtzieher des Doppelmordes noch immer nicht identifiziert.

Referendumsgesetz passiert die Nationalversammlung

Auf institutioneller Ebene hebt Infos 27 die Verabschiedung des Gesetzes hervor, das die Bedingungen für die Durchführung des Referendums regelt. Die Nationalversammlung stimmte in ihrer Plenarsitzung dem von Abgeordnetem Paul-Gaspard Ngondankoy eingebrachten Text mit 348 von 351 abgegebenen Stimmen zu. Der Text wartet nun auf die zweite Lesung im Senat.

UNDP: 68 Prozent der Kongolesen unter der Armutsgrenze

La Tempête des Tropiques widmet sich der sozialen Lage und zitiert einen Bericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP), demzufolge 68 Prozent der Kongolesen unterhalb der Armutsgrenze leben. Die Studie zeigt erhebliche regionale Unterschiede: Die Provinzen Kasaï-Central, Kwilu und Tanganyika weisen die höchsten Armutsquoten auf, während sich die Situation in Kinshasa relativ verbessert hat. Das UNDP empfiehlt, öffentliche Investitionen auf die am stärksten betroffenen Provinzen zu konzentrieren.

(Quelle: RFI – Congo Nouveau, Le Potentiel, Ouragan, Forum des As, Infos 27, La Tempête des Tropiques)