17.02.2026

Kongo-Krieg auf der Berlinale: Debütfilm „Trop c’est trop“ zeigt Alltag in Goma

Weltpremiere in der Sektion Panorama Dokumente – Regisseur Elisé Sawasawa dokumentiert 30 Jahre Krieg im Nord-Kivu

BERLIN – Der Dokumentarfilm Trop c’est trop (deutsch: Es reicht) feiert auf der Berlinale 2026 Weltpremiere. In der Sektion Panorama Dokumente taucht Regisseur Elisé Sawasawa in den Alltag von Goma ein – der Hauptstadt der Provinz Nord-Kivu, die seit Jahrzehnten im Zentrum des bewaffneten Konflikts im Osten der Demokratischen Republik Kongo steht.

Goma als Schauplatz: 30 Jahre Krieg in einem Film

Der Film stellt eine einfache, aber drängende Frage: Wie leben Menschen in einer Stadt, die seit einer Generation umkämpft ist? Sawasawa, der selbst aus der DR Kongo stammt, dokumentiert das chaotische Alltagsleben in Goma vor dem Hintergrund eines der weltweit blutigsten Konflikte.

Die Zahlen, die das Filmprogramm der Berlinale nennt, sprechen für sich: 30 Jahre Krieg, sieben Millionen Vertriebene, zehn Millionen Tote. Der Film folgt drei Protagonistinnen und Protagonisten: Eliane Feza, Moses Sawasawa und Francis Zihindula Milindwa.

Goma im Januar 2026 von M23 eingenommen

Die Weltpremiere fällt in eine historisch brisante Phase. Wenige Wochen vor der Berlinale-Vorführung hatte die Rebellenbewegung M23 Ende Januar 2026 die Kontrolle über Goma übernommen – ein Ereignis, das weltweit Schlagzeilen machte und eine neue humanitäre Krise auslöste.

Die M23, der nach überwiegender Einschätzung von UN-Experten ruandische Unterstützung zugutekommt, kontrolliert damit die wichtigste Stadt im Osten des Landes. Laut UNHCR wurden allein seit Jahresbeginn 2026 über 500 000 weitere Menschen vertrieben.

Frankreich und DR Kongo als Koproduktion

Der Film entstand als französisch-kongolesische Koproduktion (JBA Production) und feiert in Berlin seine Weltpremiere. Für Regisseur Sawasawa ist es ein Debütfilm – eine bemerkenswerte Leistung angesichts der schwierigen Produktionsbedingungen vor Ort.

Die Auswahl durch die Berlinale-Sektion Panorama Dokumente signalisiert, dass das internationale Filmfestival den Kongo-Konflikt als eines der drängendsten Themen der Gegenwart einordnet.

Seltene deutschsprachige Öffentlichkeit für den Kongo-Konflikt

Internationale Filmfestivals wie die Berlinale können eine wichtige Rolle bei der Bewusstseinsbildung spielen – ein Thema, das in deutschen Mainstream-Medien nach wie vor stark unterrepräsentiert ist. Trop c’est trop ermöglicht einem Berliner Publikum, die menschliche Dimension des Konflikts unmittelbar zu erleben.

Aufführungstermine und Tickets sind über das offizielle Berlinale-Programm erhältlich.


(Quelle: Berlinale Programm 2026)