12.01.2026

Besteht die Gefahr eines Staatsstreichs in der Demokratischen Republik Kongo? Der Stabschef der FARDC, General Jules Banza, warnt Präsident Félix Tshisekedi vor Massenverhaftungen von Generälen und mehreren Offizieren

Seit mehreren Wochen deuten Anzeichen auf wachsende Spannungen zwischen General Jules Banza, dem Stabschef der Streitkräfte der Demokratischen Republik Kongo (FARDC), und Präsident Félix Tshisekedi, dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte, hin. Dieses angespannte Verhältnis findet in einem ohnehin fragilen Sicherheitsumfeld statt, das von aufeinanderfolgenden Verhaftungen von Generälen und hochrangigen Offizieren geprägt ist. Offiziell werden diese Verhaftungen mit dem Kampf gegen Disziplinlosigkeit, Infiltration und Parallelnetzwerke innerhalb der Armee begründet.

General Jules Banza, der am 6. Januar 2025 zum Stabschef der FARDC ernannt wurde, gilt als Offizier aus dem engsten Umfeld des Präsidenten. Vor dieser strategischen Beförderung war er stellvertretender Kommandeur der Republikanischen Garde, einer Eliteeinheit, die für den Schutz von Institutionen und die persönliche Sicherheit des Staatsoberhauptes zuständig ist. Dieser Werdegang machte ihn, zumindest zum Zeitpunkt seiner Ernennung, zu einem engen Vertrauten von Präsident Tshisekedi.

Die Situation scheint sich jedoch verkompliziert zu haben, da mehrere Generäle verhaftet, ins Abseits gedrängt oder unter Verdacht gestellt wurden. Während das Präsidialamt und das militärische Oberkommando die Notwendigkeit betonen, die staatliche Autorität wiederherzustellen und die Moral der Armee zu verbessern, haben diese Verhaftungen intern Frustrationen ausgelöst, insbesondere in bestimmten Militärkreisen, die darin eine Abrechnung oder gar eine Politisierung der militärischen Hierarchie sehen.

Laut Quellen aus dem Militärumfeld befindet sich General Jules Banza in einer heiklen Lage: Er ist verpflichtet, die Anweisungen der politischen Führung umzusetzen, sieht sich aber gleichzeitig wachsender Unzufriedenheit in den eigenen Reihen gegenüber. Diese Situation nährt Spekulationen über unterschiedliche Ansichten zwischen dem operativen Kommando und dem Präsidialamt, insbesondere hinsichtlich der Methoden und des Tempos der Säuberungen innerhalb der FARDC (Streitkräfte der Demokratischen Republik Kongo).

Für Félix Tshisekedi sind diese Verhaftungen Teil einer Strategie, die Kontrolle über eine Armee zurückzugewinnen, die durch Einflussnetzwerke, Korruption und Loyalitätskonflikte seit Langem geschwächt ist. Das Staatsoberhaupt strebt angesichts des andauernden Krieges im Osten und des zunehmenden innenpolitischen Drucks eine strikte Kontrolle über den Sicherheitsapparat an. Jede übermäßige Autonomie des Generalstabs wird als potenzielles Risiko wahrgenommen.

General Jules Banza steht vor einer komplexen Herausforderung: Er muss den Zusammenhalt der FARDC wahren, die Einsatzfähigkeit an den verschiedenen Fronten aufrechterhalten und die durch die Verhaftungen hochrangiger Offiziere erschütterte Befehlskette beruhigen. Die Lage ist umso brisanter, als die kongolesische Armee eine zentrale Säule der Stabilität des Regimes darstellt.

Für Analysten offenbart diese noch immer unterschwellige Spannung ein wiederkehrendes strukturelles Problem in der Demokratischen Republik Kongo: das ambivalente Verhältnis zwischen politischer Macht und Militär. Solange grundlegende Reformen – Professionalisierung, Entpolitisierung und ein glaubwürdiges Militärjustizsystem – nicht vollständig umgesetzt sind, birgt jede Umstrukturierung im Sicherheitsapparat die Gefahr, dieselben Spaltungen erneut zu entfachen.

Bislang ist kein offener Bruch zwischen Präsident Tshisekedi und seinem Stabschef erkennbar. Jüngste Entwicklungen deuten jedoch darauf hin, dass das Gleichgewicht zwischen politischer Loyalität und militärischer Autorität weiterhin fragil ist. In einem Land, dessen Geschichte häufig von Umbrüchen im Militär geprägt war, wird dieses Verhältnis in den kommenden Monaten entscheidend für die institutionelle Stabilität und die Kriegsführung sein

(CONGO INTELLIGENCE.COM)